Austin Smith - "Ich hatte Angst nicht bezahlt zu werden"

(Interview) C.S: Vor einer Woche trat Austin Smith, ehemaliger Spieler der Innsbrucker Haie und des HC Bolzano, in einem emotionalen Instagram-Post von seiner Karriere zurück. Der erst 29-jährige Texaner leidet an den Folgen einer Gehirnerschütterung. Nun prangert er in einem von ihm erstellten Aufsatz "A players tribune" öffentlich seinen letzten Arbeitgeber an: Dieser habe ihn ärztlich nicht richtig behandelt, zudem wurde von Seiten der Clubführung und Manager Dr. Knoll immer wieder Druck auf den Spieler ausgeübt, der nach seinen Aussagen die Play-offs verletzt durchspielen musste. EO-Redakteur Christoph Schneider hat sich mit Smith unterhalten.

 

AustinSmith Innsbruck

(Foto: Gepa)


Hallo Austin, während dem Sommer sind schon erste Gerüchte in den Foren und sozialen Medien entstanden, dass Du Deine Karriere beenden müsstest. Vor etlicher Zeit haben dann die Innsbrucker Haie erklärt, dass Du nicht nach Nordtirol zurückkehren wirst. Letzte Woche hast Du auf Instagram dann sehr emotional selbst Dein Karriereaus verkündet, wie geht es Dir und vor allem was machen die Folgen Deiner Gehirnerschütterung?

 

Smith: Danke der Nachfrage! Es geht langsam aufwärts, gegenüber der Phase im Mai fühle ich mich schon viel besser, das liegt aber sicher auch daran, dass ich nach der stressigen Zeit zu den Playoffs jetzt daheim in Texas endlich ein wenig abschalten kann.

 

Die schwerste Phase war im Juni, damals habe ich gedacht ich erhole mich überhaupt nicht mehr, vor allem habe ich mich auch in meinem sonst lockeren Verhalten nicht wieder erkannt, meine Familie hat das auch gespannt. Ich habe hier nun einen Spezialisten für Gehirnerschütterungen gefunden, der micht behandelt. Dieser war fähig eine EEG-Untersuchung (Anm. Elektroenzephalogramm - Untersuchung) durchzuführen. Er hat das Ganze gut analysiert und ist in die Behandlung eingestiegen. Seitdem sind die Fortschritte gut, die Behandlung geht aber noch weiter.

 

 

Du hattest zwei sehr gute Jahre in der EBEL. In Innsbruck und Bozen wurdest Du als Publikumsliebling gefeiert. Wie sahen die Reaktionen auf Deinen Beitrag in Instagram aus? Wie haben Deine Kollegen reagiert?

 

Smith: Meine Teamkollegen und Freunde wussten ja schon sehr lange über die Vorkommnisse in Bozen Bescheid. Sie kannten meine Probleme und es ließ sich für sie sicher erahnen, dass ich nicht in Bozen bleibe beziehungsweise sogar ganz mit dem Hockey aufhöre. Ich war sehr überrascht, dass mich so viele Hockeyfans und Interessierte in den sozialen Medien persönlich angeschrieben haben. Ich hatte immer vermutet, dass sich viele der Fans nur für den Eishockeyspieler Smith interessieren würden, dass sich aber so viele über den Menschen Smith Gedanken machen, hat mich immens überrascht und war eine große Hilfe, die mich sehr ehrt.

 

 

In Deinem Beitrag prangerst Du das Verhalten Deines Clubs, des HC Bozen, sehr an. Möchtest Du das konkretisieren? Wie haben sich Teambesitzer und der medizinische Stab um Dich gekümmert?

 

Smith: Dr. Knoll und die Ärzte, die mit ihm auch persönlich sehr befreundet sind, haben mir immer wieder gesagt, dass die MRT- und CT- Berichte negativ seien. Sie betonten immer wieder, dass ich nicht ernsthaft verletzt sei und spielen könne. Als ich immer wieder über Symptome geschimpft und geklagt habe, haben sie behauptet, dass das eine Art Einbildung von mir gewesen sei. Dann habe ich mich damit beschäftigt und festgestellt, dass eine Gehirnerschütterung nicht allein durch MRT- und CT Bilder diagnositziert werden kann. Das ist eine unsichtbare Verletzung, bei der Ärzte im Sport unbedingt Vorsicht und Milde walten lassen sollten. In Bozen sagten sie mir jedoch, dass ich gesund sei und spielen könne. Sollte ich mich dafür entscheiden nicht zu spielen, so müsse man arbeitsrechtlich prüfen, ob mir dann die Gehälter zustehen. Das wäre dann aber meine Entscheidung nicht zu spielen. Ich hatte dann erhebliche Angst kein Geld zu bekommen, was letztlich auch passierte, weil ich bei zwei Spielen einfach nicht auflaufen konnte. Dabei war die Pause bei diesen Spielen sogar mit dem Trainer abgesprochen, der mich für die entscheidenden Spiele der Serie fit auf dem Eis haben wollte.

 

 

Du deutest es an. Die Foxes haben Dir verweigert den Play off Bonus zu zahlen. Was haben Sie Dir gesagt? Ist das nun auch ein juristisches Verfahren?

 

Smith: Dr. Knoll hat vor den Spielen in den Play offs, nicht in jedem, aber immer öfter, eine Sonderzahlung von 1.000,00 € versprochen, sofern wir die Partie gewinnen. Die Prämien wurden den Spielern verspätet ausgezahlt, mir jedoch nicht. Ich habe Dr. Knoll darauf hin angeschrieben und gefragt, was mit meiner Sonderzahlung sei. Er hat nie geantwortet, bis er meinem Agenten eines Tages erzählt hat, dass mir die Prämie nicht zustehe, weil ich zwei Spiele in den Play offs verpasst habe. Ich hatte gehofft, dass er irgendwann kleinbei gibt, da er ja auch wusste, dass ich verletzt bin, aber nun musste ich den Weg zum Rechtsbeistand gehen. Es geht ja doch um mehrere tausend Euro.

 

 

In der Geschichte des Eishockeys, aber auch in anderen Sportarten und Ligen (zuletzt NFL) waren Gehirnerschütterungen immer wieder im Fokus. Was denkst Du müssen die Ligen und Clubs tun, um das Problem zu lösen?

 

Smith: Das ist eigentlich keine schwere Sache. Es gibt nur zwei Dinge, die das Problem lösen könnten. Die Vereine müssen geschulte Ärzte haben, die unabhängig von überehrgeizigen Trainern und Verantwortlichen agieren können und bei Verdacht auf Gehirnerschütterungen alles unternehmen, um in erster Linie dem Menschen, nicht notwendiger Weise dem Spieler, zu helfen. Das war in Bozen leider nicht so. Allen professionellen Spielern kann ich nur raten, dass sie sich im Vorfeld, gerade wenn sie in eine ausländische Liga wechseln, eine Recherche über den Verein betreiben und vielleicht auch mit Ex-Spielern, die sie kennen über die Zustände und die Professionalität des Clubs reden.

 


 

Du bist erst 29 Jahre alt und musst nun Deine Karriere beenden. Wie geht es weiter? Denkst Du, dass Du nochmal ein Comeback feiern kannst, wenn sich Dein Zustand verbessert?

 

Smith: Nein, das Thema ist definitiv erledigt. Ich habe zu viel Respekt vor dieser Verletzung und habe Angst, dass ich die Zeit, die ich im Frühjahr erleben musste, nochmal durchmachen muss. Schwer zu sagen, was ich jetzt beruflich machen werde. Ich versuche jetzt erstmal fit zu werden.

 

 

"Player Tribune" von Austin Smith

 

Was passiert mit Spielern, die es nicht in die NHL schaffen? Also die Spieler, die nicht in der weltbesten und von den Strukturen professionellsten Liga der Welt spielen, sondern in der AAA oder AA oder gar mit den Spielern, die fernab der kanadischen oder amerikanischen Heimat in Europa Eishockey spielen? Sind diese Spieler medizinisch gut beraten und werden entsprechend behandelt, wenn sie verletzt sind? Etwa wenn ein Verdacht auf Gehirnerschütterung im Raum steht? Die meisten Mannschaften haben natürlich in den Profiligen Personal und Ärzte, aber sind diese fähig anhand von MRT- oder CT-Berichten richtige Diagnosen und Behandlungen zu stellen? Und haben sie die Freiheit den Spieler davon abzuhalten aufs Eis zu gehen oder wie sehen die Strukturen in den Clubs aus? Wer hat die Macht und entscheidet, wer aufs Eis geht? Der Doktor, der Trainer oder der Clubbesitzer? Was passiert mit den Spielern, die mit Gehirnerschütterungen wichtige Meisterschaftsspiele bestreiten müssen und danach stark beeinträchtigt leben müssen.

 

Gehirnerschütterungen sind, wenn man vielen Fachmännern glaubt, schwer zu diagnostizieren. Die Verletzung wird nicht alleine von Bildern abgeleitet, sondern amnhand von Symptomen, die unterschiedlich stark ausfallen können. Gehirnerschütterungen sind sogenannte "unsichtbare Verletzungen". Geht man mit einer solchen aufs Eis, kann sie ganze Karrieren ruinieren . Der in den Augen von Laienzuschauern noch so harmlose Check in die Bande kann eine Lawine ins Rollen bringen und zu lebenslangen Folgen führen. Dabei muss der Check nicht mal ansatzweise in Richtung des Kopfes gehen. Jeder solide Bodycheck kann vorgeprägten Spielern noch gefährlichere Kopfverletzungen zufügen.

 

Alle die, die vom Herrgott gesegnet wurden und das schönste Spiel der Welt professionell bestreiten dürfen, haben in irgendeiner Form schon eine Berührung mit Kofpverletzungen gehabt, ohne es bisher jedoch gemerkt zu haben. Jeden Check, den wir im Spiel kriegen, möchten wir nicht auf uns sitzen lassen. Nichts ist schlimmer als wegen einer Verletzung während dem laufenden Spiel in die Kabine zu müssen und den Gegner gewinnen sehen. Deshalb stehen wir nach jedem Check wieder auf, verfolgen den Gegenspieler, werfen uns in Schüsse und zeigen keine Schwäche. Die Intensität des Spiels und das Adrenalin lassen uns nie aufgeben. Wir opfern uns für den Sieg und die Mannschaft - egal was es kostet. Wir haben ja drei Monate im Sommer, in denen wir uns ausruhen können. Das ist die Hockey-Mentalität, die ich jahrelang in mir getragen habe und die auch andere in sich tragen, ich glaube fast alle, die ich am Eis begegnet habe. Nun habe ich aber etwas erlebt, was mich umdenken lässt.

 

Ich berichte aus tiefer Frustration. Ich möchte mit diesem Bericht die Augen von Spielern und Funktionären öffnen. Das Spielen mit einer Gehirnerschütterung ist es einfach nicht wert. Ich habe mein Eishockeyleben stets genossen. Egal wo ich in Europa gespielt habe, ich habe tolle Momente erlebt, super Mitspieler gehabt und tolle Fans kennengelernt. Das Leben war großartig und ich hätte es für nichts eintauschen wollen. Aber wie auch immer, die letzte Saison meiner Eishockeykarriere sollte die sein, die mich stolz machen sollte, aber der süßeste Traum entwickelte sich zum furchtbarsten Albtraum.

 

Der HC Bozen ist ein Club in der EBEL (Erste Bank Eishockey Liga). Das ist die erste österreichische Liga, die aber auch ausländische Mannschaften, wie Bozen aus Italien, beinhaltet. Die Liga ist sportlich sehr gut. Viele Ex-Spieler aus NHL und AHL, dazu talentierte einheimische Spieler und viele Teams auf Augenhöhe machen die Liga zu einem tollen Produkt. Bozen ist ein toller Verein. Es hat die besten Fans der Liga, die begeisterungsfähigsten die ich je kennen gelernt habe. In der Eiswelle herrscht eine irrsinnige Kullisse, die man erlebt haben muss, sie ist nicht zu beschreiben. Wirklich ein Alleinstellungsmerkmal. Dazu liegt Bozen in einer der schönsten Gegenden der Welt. In Südtirol in Mitten der Dolomiten, der schönste Teil der Alpen, mit italienischem Flair gesegnet, eigentlich nur ein Platz, an dem man sich wohlfühlen kann. Bilderbuchlandschaft ist da wahrlich untertrieben.

 

Unglücklicherweise endet diese Szenerie eines Märchens allerdings darin, dass das Management und damit meine ich den Clubbesitzer, der zudem eine Art sportlicher Leiter ist, zu viel Macht über den Verein und die Spieler hat. Vom ersten Tag an waren Spieler gezwungen sich kleine Hotelzimmer zu teilen, zu Beginn der Saison mussten sich 12 Spieler 2 Vans teilen. Dr. Knoll versprach zwar jedem Spieler ein Auto und eine Wohnung ab Oktober. Die Leistungen wurden jedoch erst im November erbracht, manche Spieler erhielten ihre Wohnung sogar erst an Weihnachten. Er führte den Verein so, weil er jeden Cent umdrehte und sparen wollte. Man darf dabei nicht vergessen, dass Herr Knoll den Verein so auch immer wieder durch schwere Zeiten führte.

 

Einer unserer Kapitäne, ein jahrelanger Leistungsträger, durfte seine Familie zu Beginn der Saison nicht mit nach Bozen bringen, da ja kein Platz für diese in den Hotelzimmern war. Er musste auf Dr. Knolls Erlaubnis warten, die dieser auch aussprach. Seine Familie kam einige Wochen später und musste sich ein Hotelzimmer teilen. Er hat seine Wohnung, die ihm bei den Vertragsverhandlungen in Aussicht gestellt wurde, bis Oktober nicht beziehen können. Obendrauf lief der Mietvertrag dann noch während der Play offs aus und er musste während dieser Zeit umziehen. Zudem wusste er und seine Familie nicht, dass der Mietvertrag ausläuft. Er wurde wenige Tage davor darauf hingewiesen.

 

Die alleinstehenden Spieler mussten sich Wohnungen und Autos teilen, die ganze Saison lang. Viele dieser Spieler wurden oft zum Umziehen gezwungen, einfach nur weil Dr. Knoll die Mietverträge nicht für eine ganze Saison abgeschlossen hatte. Einer dieser Spieler musste in der Saison fünfmal umziehen. Einmal als er eine schwere Knieverletzung hatte, ein zweites Mal währen der Playoffs. Sein letzter Umzug war unmittelbar nach dem letzten Spiel der Play offs in Salzburg. Am Morgen nach dem Gewinn der Meisterschaft klopfte es an seiner Tür, der Vermieter teilte ihm mit, dass er is 10:00 Uhr alles gepackt haben müsse. Gnädigerweise hatte der Spieler wenige Tage vorher eine Mail erhalten, dass er ausziehen müsse, die hatte er aber im Stress der Play offs nicht gelesen. Ei ne professionelle Organisation? Darüber kann man diskutieren, aber sicherlich kein respektvolles Verhalten gegenüber einer Mannschaft, die sich in die Geschichtsbücher des Clubs geschrieben hat und eine Meisterschaft errungen hat. Aber egal, das sind nur einige Beispiele für die Geschehnisse in Bozen.

 

Ungeachtet von manch ausbaufähiger Organisation der Clubs, wenn man bei einem neuen Verein einen Vertrag unterschreibt erwartet man sich als Spieler eine ehrliche Basis, die auf Selbstverständlichkeiten fußt. Dass man das Gehalt halbwegs pünktlich erhält, dass manche Standards (Wohnungen, Auto etc.) einfach erfüllt werden. Wir wurden vor unseren Wechseln nach Bozen von einigen Spielern gewarnt. Bei den Foxes muss es solch skizzierte Vorfälle immer wieder gegeben haben. Viele ehemaliger Spieler hätten heute noch offene Forderungen gegenüber des Clubs.

 

Zu Beginn der Saison, als vieles schief lief und wir in der Tabelle weit hinten waren, hatten wir Angst, dass wir unsere Gehälter nicht beziehen würden. Es gab dann einen Zeitpunkt in der Saison, als Knoll bei uns vorsprach und sagte, dass wir die Play offs unbedingt erreichen müssen, sonst könne er nicht alle Gehälter vollständig zahlen. Glücklicherweise erreichten wir die Play offs. Auf dem letzten Platz stehend fingen wir an die Spiele zu gewinnen und kämpften uns in einer Art "Miracle on Ice" in die Saison zurück. Ich möchte nicht in die Details gehen, aber wir holten den letzten Play off - Spot und von da an war es wirklich ein Wunder, wie wir Teams wie Wien und Salzburg bezwangen.

 

Zu Beginn der Play offs versprach uns Dr. Knoll vor den meisten Spielen, dass wir eine außervertragliche Prämie erhalten sollten, wenn wir die Spiele gewinnen würden. 1.000,00 € für den Sieg wurden uns in Aussicht gestellt. Es war logisch "Je mehr Spiele wir gewinnen, desto mehr Geld würde der GM mit seinen Foxes verdienen". Macht Sinn. Überraschenderweise gewannen wir jetzt die Spiele, gegen Klagenfurt, gegen Wien und dann auch gegen Salzburg. Wir holten in Spiel 7 der Finalserie den Titel. Die "Cinderella-Story" war geschrieben und es gab keine schönere Art und Weise mit unseren Familien und den tollen Fans die Favoriten zu schlagen und Meister zu werden. Schicksalsträchtig!! Aber leider erinnere ich mich, wenn ich an meine Zeiten in Bozen denke, nicht mehr sehr an diese Geschehnisse, sondern an das, was man den Boden der Tatsachen nennen darf.

 

Nach der Saison warteten alle Spieler auf ihre Prämie. Die erste Auszahlung war pünktlich. Jeder Spieler erhielt sie, außer mir. Die zweite Rate sollte im Juli eintreffen. Niemand wurde bezahlt. Nachdem der Druck mancher Spieler höher wurde, meldete sich Dr. Knoll mit einem offiziellen Statement, dass er die Prämie vorerst nicht zahlen könne, sie aber im August ausgezahlt wird. Ok! Als der August auf dem Kalenderblatt stand, erhielten die Spieler, die ihren Vertrag in Bozen verlängerten, die Prämie. Die Spieler, die sich einem neuen Verein anschlossen, gingen leer aus. Dazu gehörte ich natürlich auch . Wir wurden darüber aufgeklärt, dass das in Bozen jedes Jahr Usus sei. Nachdem die Spieler nun auch das Ligabüro kontaktierten, wurden die Prämien ausgezahlt. Nur einer bekam sein Geld nicht - es war wieder ich - einmal mehr. Doch warum?

 

Während der Saison in Bozen, es war Ende Oktober, musste ich eine Gehirnerschütterung hinnehmen, die mein Leben änderte. Die Teamärzte schickten mich zu MRT- und CT-Scans, die jedoch alle negativ ausfielen. Auf den Bildern war nichts zu sehen. Sie rieten mir ein paar Tage auszuruhen und nicht zu trainieren. Am Wochenende könnte ich sicher wieder spielen. Die Wochen vergingen, ich klagte aber weiter über Kopfschmerzen, Schwindel, Betrübtheit und die üblichen Symptome, die eine Gehirnerschütterung mit sich bringen. Sie hörten nicht auf und es wurde auch nicht weniger. Ich war ein veränderter Mensch und erkannte mein gereiztes Verhalten selber nicht mehr. Ich machte mir immer mehr Sorgen, dass die Symptome nicht weggehen würden. Frustration machte sich breit, ich konnte nicht mehr schlafen und saß nachts um 3:00 Uhr hellwach im Wohnzimmer. Ich wollte einfach nur schlafen, konnte aber nicht. Ich betete, dass es keine chronischen Schmerzen sein sollten.

 

Die medizinische Abteilung wollte oder konnte keine Gehirnerschütterung diagnostizieren. Die Behandlung war nicht gut, ich wurde mit Pillen ruhiggestellt. Mein General Manager konnte mir auch keine Hilfe anbieten und erzählte mir immer wieder, dass ich keine Gehirnerschütterung habe, da die MRT- und CT- Bilder keine Auffälligkeiten aufweisen würden. Ich bat die Foxes dann mich in Toronto behandeln zu lassen. Kerry Goulet ist ein Spezialist für Gehirnerschütterungen und im Dezember machte ich mich auf nach Kanada, wo ich sehr gut behandelt wurde. Die Symptome wurden weniger und weniger. Scott Haller und Frances MacInnes behandelten mich und leisteten eine gute Arbeit. Ende Janaur kam ich zurück nach Südtirol und trainierte am Eis. Die Beschwerden waren fast weg. Ende Januar spielte ich wieder, die Symptome waren aber noch etwas da.

 

Ich spielte und fasste langsam wieder Fuß und knüpfte an vergangene Leistungen an. Ich sollte noch über 30 Scorerpunkte sammeln. Je näher wir zur Meisterrunde kamen, desto mehr Beschwerden traten wieder auf. Ich hatte deshalb mehrere Gespräche mit unserem Trainer, der Verständnis hatte. Er gab mir Pausen und übte keinen Druck auf mich aus. Dummerweise erhielt ich vom General Manager dieses Verständnis nicht. Er zwang mich zum Spielen. Ich wehrte mich nicht und spielte mit Symptomen. An den Tagen an denen es ging lief ich irgendwie auf, nur bei zwei Spielen konnte ich es selber nicht mehr verantworten zu spielen. Ich sprach es mit dem Trainer ab, dass ich für die zwei nächsten Spiele nicht auflaufen würde, dafür aber in den danach entscheidenden Spielen wieder am Eis wäre. Ihm war es lieber dass ich bei Spiel 6 und 7 zu 80% fit sei, als bei 4 und 5 mit 40%. So half ich dem Team mehr. Ich sah es auch so, wir wollten den Titel holen und ich wollte die Mannschaft nicht behindern.

 

Knoll sah es nicht so. Er sah die Gehirnerschütterung als keine Entschuldigung an zwei Spiele zu fehlen. Er war böse und nervös und sagte ich habe das Team im Stich gelassen. In einer letzten Besprechung nach der Saison sagte er, dass ich den versprochenen Play off Bonus nicht erhalten würde, da ich in Spielen gefehlt habe, in denen ich hätte spielen können. Als ich nachhakte und sagte, dass der Bonus für jedes gewonnene Spiel alleine versprocghen wurde und ihm um das Geld bat, stürmte er aus der Besprechung. Er reagierte nicht mehr auf meine Whatsapp Nachrichten oder Mails. Später schrieb er meinem Agenten, dass er mir den Bonus nicht zahlen würde, da ich gesund zwei Spiele verpasst hätte. Dabei sah er nicht, dass ich in allen anderen Spielen verletzt am Eis stand und 10 Scorerpunkte zum Titel beitrug, drei Gamewinner inklusive, die einen großen Anteil am Titelgewinn hatten. Er verweigert es heute mich noch zu bezahlen, wie ich schon vorher betonte. Er akzeptiert den Fakt nicht, dass ich alles dafür tat, was nötig war, um zu gewinnen. Des Weiteren informierte er nie die Liga über mein Schicksal. Die EBEL wusste bis vor kurzem nicht, dass ich eine Gehirnerschütterung hatte und war geschockt als sie meinen Post auf Instagram lasen. Die Gehirnerschütterung war komplett versteckt außerhalb der Kabine....Niemand wusste es.

 

Heute leide ich immer noch an den Folgen. Es verbessert sich, aber sie sind noch da. Eine schwere Situation für mich und meine Familie, auch finanziell. Ich habe von den Foxes keine Unterstützung mehr erhalten, auch keine medizinische Behandlung mehr. Ich bete jeden Tag, dass ich wieder gesund werde in meinem Leben. Ich will diese Umstände keinem Menschen der Welt wünschen und hoffe, dass meine Hockeybrüder niemals eine Gehirnerschütterung unterschätzen werden, auch wenn Ärzte und Verantwortliche dies tun.

 

Ich hoffe meine Geschichte trägt dazu bei mit diesem Thema verantwortungsvoller umzugehen. Ich bitte jeden Spieler sich mit dem Thema zu beschäftigen, sich aber auch mit den Personen in den Clubs zu beschäftigen, die die Strippen ziehen und die Organisation leiten. Gesundheit ist der zentrale Punkt im Leben. Tut Eure Hausaufgaben, informiert Euch, fragt fragen, auch wenn sie unbequem sind. Erst dann unterschreibt einen Vertrag. Wenn es Probleme in der Vergangenheit bei Clubs gab und ihr davon wisst, hört darauf. Denkt nie Eure Situation sei eine Ausnahme und kämpft.


Ich werde um die Zahlungen kämpfen, die ich verdient habe. Mit dem Geld werde ich weiter versuchen meinen Gesundheitszustand zu verbessern und meine Gehirnerschütterung behandlen, die das Ende meiner Karriere bedeutete.

 

Ich danke allen Fans, Trainern, Mannschaftskollegen, Freunden und meiner Familie und all diejeinigen, die mich auch in der schweren Zeit unterstützt haben.

 

 

 


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