Daniel Welser: "Jeder Titel hat immer seine eigene Geschichte!".

 

(Interview) C.S: Daniel Welser sagte im Rahmen der Eröffnungspartie zwischen Salzburg und Klagenfurt am vergangenen Freitag Servus. Der gebürtige Kärntner stand unserem Redakteur Christoph Schneider zu einem Interview bereit und beantwortete sportliche,- aber auch emotionale Fragen.

 

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(Foto: Gepa)

 


 

Daniel, nach über 600 Spielen in der ersten österreichischen Liga wurden Sie am Freitagabend – ausgerechnet bei der Partie Ihrer beiden Vereine Salzburg gegen Klagenfurt – zu ihrem Karriereende verabschiedet. Wie ging es Ihnen während der Zeremonie in der Bullen-Arena?


Welser: Ich war ziemlich nervös. Keine Ahnung warum, aber vielleicht lag es daran, dass ich echt nicht wusste, was Red Bull für mich geplant hatte. Es war für mich eine große Ehre, dass meine Leistungen, die ich erbracht habe, so gewürdigt wurden.

 

 

9 Mal Meister in Österreich, bereits mit 17 haben Sie den Pokal in die Höhe stemmen dürfen, hebt sich eine Meisterschaft von diesen neun Titelgewinnen für Sie heraus? Wenn ja, wieso?


Welser: Jeder Titel hat immer seine eigene Geschichte und um einen Titel zu holen, muss vieles zusammen kommen. Der Meisterschaftsgewinn mit dem KAC 2004, als mein Schwager David Schuller uns in der Overtime in Spiel 5 zum Sieg geschossen hat, war zum Beispiel ein wunderschöner Moment. (Es war auch mein einziger Meistertitel zu Hause). 2007 der Sieg in Laibach-mein erster Titel mit den Red Bulls wird mir immer in Erinnerung bleiben – speziell wegen der Meisterfeier. Der Titelgewinn in Klagenfurt, wo ich leider gesperrt wurde, war auch schön, weil unser junger Tormann, Thomas Höneckl zum Held wurde. Der Gewinn in Linz als uns Doug Lynch in der 83min zum Titelgewinn schoss und wir alle im Bus richtig fertig waren. Die Playoff Serie als wir in Wien gewonnen haben – 11 Siege hintereinander! Aber der schönste war mein Letzter 2016 – Beim ersten Gegner KAC wurden viele Spieler krank und konnten nicht spielen und unsere 3. und 4. Linie hat uns diese Serie und auch die nächste gegen Villach gewonnen. Der Geburtstermin meiner zweiten Tochter Luisa wäre genau zwischen Spiel 6 und 7 gewesen, aber sie hat lang genug ausgehalten, dass es in der Nacht der Meisterschaftsparty erst los ging.

 

 

Neben Ihrer Zeit in der Kärntner Heimat und Salzburg haben Sie 2006 einen Abstecher nach Schweden gewagt. Wie kam dieser Kontakt zustande und was waren die Unterschiede zum Eishockey in Österreich?


Welser: Ich hatte ein Angebot von Jyväskylä vorliegen und ich war auch kurz davor anzunehmen, als Tommy Samuelsson meinen Agenten Tommy Cijan kontaktierte. Er war damals Coach von Skelleftea AIK und wollte unbedingt, dass ich für ihn spielte. Ich kannte diesen Club damals nicht. Mir wurde nur gesagt, dass SAIK immer knapp am Aufstieg war und wirtschaftlich auf gesunden Beinen dasteht. Ich nahm das Angebot von SAIK an und war 3 Tage später im Norden und wurde auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Nach Überlegungen war mir der Schritt in die zweite schwedische Liga besser als gleich in die finnische SM Liiga (nur 4 Imports erlaubt). Nach Gewinn der zweiten schwedischen Liga ging es ein Jahr darauf in die SHL. Dank meiner Perfomance wurde ich weiterverpflichtet.

 

 

In Ihrer Karriere wurden Sie variabel auf mehreren Positionen eingesetzt. Pierre Page hat Sie zum Defender umfunktioniert. Auf welcher Position haben Sie am liebsten gespielt?


Welser: Stürmer! Obwohl ich als Verteidiger viel Neues gelernt habe. Es hat mir geholfen, mich als Stürmer weiterzuentwickeln.

 

 

Der Name Welser ist natürlich auch eng mit der Nationalmannschaft verbunden: Sie haben viele Spiele bei  A- und B-Weltmeisterschaften bestritten und auch bei Olympischen Spielen rangedurft. Gab es für Sie einen speziellen Moment, der dabei in Erinnerung blieb? Wie sehen Sie generell die Zukunft der Nationalmannschaft?


Welser: Das Qualifaktionsturnier in Bietigheim. Wir haben damals die favorisierten Deutschen geschlagen und durften statt ihnen zu den Olympischen Spiele nach Sochi fahren. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft war großartig. Jeder hat für jeden gefightet und alle waren positiv. Leider haben viele Entscheidungen, die damals in Sochi getroffen wurde, das Klima zerstört und einige haben danach aufgehört. Die Ergebnisse der österreichischen Nationalmannschaft zeigen, dass etwas Positives am Entstehen ist. Die A-WM in Kopenhagen hat gezeigt, was möglich ist. Aber lassen wir die Kirche im Dorf. Wir sind weit weg eine A-Nation zu sein. Auch viele andere Länder haben nicht die Berechtigung bei einer A-WM zu spielen. Wir sind leider zu inkonstant. Haben wir ein gutes Spiel gemacht, werden wir in den Himmel gelobt und viele Glauben was Besonderes zu sein.

 

 



 

Nach all den positiven Karriereerlebnissen, kam es dann im letzten Jahr zum großen Schock: Mitten in der Saison verspürten Sie eine Art Druck im Kopf, später sogar Sehausfälle, Ihre Frau musste Sie dann nach einem Zusammenbruch ins Krankenhaus bringen. Wie haben Sie das alles erlebt und wann war Ihnen klar, dass Sie sehr viel Glück hatten und wann war für Sie klar, dass es das mit dem aktiven Eishockey für sie gewesen sein könnte? Wie haben Sie das auch psychisch verkraftet und aufgenommen?


Welser: Meine Frau hat mich nicht ins Krankenhaus gebracht, aber sie hat richtig reagiert. Sie hat sofort die Rettung verständig und außerdem hat sie etwas ganz wichtiges gemacht. Sie kontaktierte meinen Vereinsarzt und guten Freund Dr. Gerhard Oberthaler, der zum Glück gleich ans Handy gegangen ist (es war schon nach 20 Uhr und er war gerade beim Training). Er hat alles stehen und liegen gelassen und eilte mit dem Moped ins Krankenhaus. Die Rettungssanitäter haben mich ins falsche Krankenhaus gebracht, weil sie dachten es wäre etwas orthopädisches. Vieles lief falsch an diesem Abend. Die Rettung brauchte über 20 min obwohl wir nur 5 min vom Krankenhaus wegwohnten. Der zweite Wahnsinn war, dass kein Notarzt mitkam. Mein großes Glück war, das Gerhard im Krankenhaus war und sofort die Lage richtig eingeschätzt hat. Er hat sofort angewiesen, dass ich in die CDK überstellt werde. Auf der dortigen Neurologie ging alles sehr schnell. Nachdem sie das MRI ausgewertet hatten, wurde ich sofort in den OP geschoben und eine Not OP hat Schlimmeres verhindert. Die ganze Zeit war ich bei Bewusstsein, aber meine linke Seite war gelähmt, außerdem konnte ich mich nicht artikulieren. Beim Transport in das Krankenhaus, dachte ich nur : Oh mein Gott. Passiert das wirklich? Vor einer Stunde konnte ich noch laufen und jetzt kann ich nicht einmal reden. Die Zeit auf der Intensivstation war ein auf und ab. Am Tag nach der Not OP, ging es für kurze Zeit bergauf, aber von Stunde zu Stunde wurde es immer schlimmer. Ich konnte nichts essen, nichts trinken, musste mich ständig übergeben, schlief den ganzen Tag. Konnte mich maximal 15 Minuten wach halten. Erst am vierten Tag ging es besser und ich war über dem Berg. Am 8. Tag konnte ich das erste Mal aufstehen und wurde danach auf die Sonderstation überstellt. Nach zwei Wochen im Krankenhaus durfte ich für 3 Tage heim zu meiner Familie. Am 9. Oktober bekam ich einen Platz auf der Neuro Care, wo ich tägliches Reha Programm hatte. Ich musste am Anfang das Schreiben wieder lernen. Die Koordination war nicht normal und mein Gleichgewichtssinn hat auch gelitten. Es wurde aber von Tag zu Tag besser und ich machte Fortschritte. In der Reha lernte ich viele Leute kennen, die nicht so viel Glück gehabt hatten. Teilweise im Rollstuhl oder auch halbseitig gelähmt waren. Da war mir schon klar, dass ich mein Glück nicht überstrapazieren sollte. Meine Frau und ich entschieden, dass ich meine sportliche Karriere aufgeben und mich anderwärtig Orientieren sollte.

 

 

Sie stellen sich nun neuen Aufgaben und durch die absolvierte Trainerausbildung hatten Sie nach der Rehabilitation die nötigen Voraussetzungen, um dem Sport erhalten zu bleiben. Wie liefen die Gespräche mit Stefan Wagner ab und wollten Sie schon vor dem Schlaganfall als Trainer im Nachwuchs/EBEL Bereich arbeiten? Inwiefern werden Sie dem EBEL-Team künftig helfen?


Welser: Red Bull stand immer hinter mir. Ich hatte viele Verletzungen, bin Monate lang ausgefallen und Red Bull hat mir immer den Rücken gestärkt. Auch während meiner Zeit auf der Intensivstation und später in der Reha wurde meiner Frau immer wieder versichert, dass Red Bull hinter mir steht und wir uns keine Sorgen machen sollen. Viele waren mich besuchen im Krankenhaus. Stefan Wagner, Rene Dimter, Greg Poss, unser Pressechef Guido Stapelfeldt - immer wieder wurde mir gut zugeredet. Nachdem ich den Entschluss gefasst habe, bat ich um ein Gespräch mit Stefan Wagner. Das war Ende Oktober, wo ich ihm alles erklärte. Auch mit meinem Trainer Greg Poss traf ich mich und sagte ihm, dass er ohne mich planen solle. Ich wollte sie nicht lange hinhalten und mir war wichtig, dass sie es persönlich und rasch erfahren. Stefan Wagner hat sofort den Vorschlag mit der Akademie gemacht und bis Jahresende war ich ja noch bei meiner Mannschaft. Erst ab Mai 2018 bin ich in das Trainerteam der Akademie gewechselt. Momentan bin ich sehr mit meinen Jungs der U15 AKA beschäftigt und auf denen liegt mein derzeitiger Fokus.

 

 

Mit welcher Grundphilosophie gehen Sie den Job an und was möchten Sie dem Nachwuchs unbedingt weitergeben? Was war das Wichtigste was man Ihnen in Ihrer Nachwuchszeit mitgegeben hat, was möchten Sie vermitteln, was man Ihnen vielleicht nie explizit weitergeben hat?


Welser: Es gibt kein Geheimrezept. Jeder Spieler ist unterschiedlich. Meine Philosophie ist jene, dass der Mensch im Vordergrund stehen sollte. Keiner weiß, ob man später Profi wird. Unser Ziel sollte sein, gestandene Persönlichkeiten zu entwickeln. Durch zu viel Druck zerbrechen viele. Man sollte ihnen Zeit lassen und nichts überstürzen. Wenn man den Ehrgeiz hat, wird man es auch weit bringen. Da ist es wichtig, dass man Leute hat, die das Ganze sehen. Es gibt nicht nur den Eishockeysport, sondern auch die Schule, Freunde und Familie.

 

 

 

 

 

 


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