EBEL - Interview mit EHC LIWEST Black Wings Linz Zeugwart Armin Ratzesberger

 

(Interview) Viktoria Hackl (V. H.) Eishockeyonline.at Redakteurin Viktoria Hackl hat sich mit Armin Ratzesberger von den EHC LIWEST Black Wings Linz unterhalten. Der 23-Jährige sprach dabei über seine Tätigkeiten als Zeugwart.

 

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(Fotos: Elke Mayrhofer und Reinhard Eisenbauer)

 


Armin Ratzesberger (* 19. Mai 1994 in Linz) ist ein österreichischer Zeugwart, der seit 2016 bei den EHC LIWEST Black Wings Linz in der Ersten Bank Eishockey Liga tätig ist.

 

 

1) Armin, insgesamt dauern die drei Drittel 60 Minuten. Gilt das denn auch für die Arbeitszeit eines Zeugwartes?

 

Armin Ratzesberger: An einem Spieltag beginnt unser Arbeitstag früh am Morgen um 07:00 Uhr und kann manchmal bis 02:00 Uhr in der Nacht dauern, da wir nach dem Spiel für den kommenden Tag alles vorbereiten müssen. 

 

 

2) Wie wird man Zeugwart? Es ist immerhin kein Job, in den man eine Ausbildung abschließen kann. Wie verlief  dein Weg zum Zeugwart der Liwest Black Wings?

 

Armin Ratzesberger: Das war ein Zufall. Ich kannte Wolfgang Janout, meinen Chef, von Freunden und er war gleichzeitig mein Fußballtrainer. Weiters war ich oft in der Eishalle, um bei Trainings zuzusehen. Wolfgang stellte mir irgendwann die Frage, ob ich helfen wolle - so begannen meine Tätigkeiten bei dem Verein.

 

 

3) Welche Aufgaben hat ein Zeugwart?

 

Armin Ratzesberger: Wolfgang Janout und ich teilen uns die Arbeit auf. Er ist für das Schleifen der Schuhe und ich für die Bestellungen der Schläger zuständig. Weiters trete ich im Sommer mit den Spielern in Kontakt.

 

 

4) Wie sieht ein typischer Tagesablauf in deinem Job aus?

 

Armin Ratzesberger: Vormittags findet das Warm-Up Skate, wobei die Spieler auf das Eis gehen, statt. Anschließend fahren sie nach Hause. Wir nutzen diese Zeit, um alles für die Gästemannschaft und die eigene Kabine herzurichten. Weiters waschen wir die Wäsche, saugen die Kabine und hängen die Dressen auf. Zwischen 2,5 und 2 Stunden vor Spielbeginn trifft die Mannschaft in der Halle ein und beginnt sich aufzuwärmen.

Während des Spieles befinden wir uns auf der Bank und sind für Kleinigkeiten zuständig oder wenn an der Ausrüstung etwas kaputtgeht und sie somit zum Herrichten ist.

 

Nach dem Spiel waschen wir wiederum die Wäsche, unter anderem auch die Handtücher der Gäste und bereiten für den nächsten Tag alles vor, wenn die Spieler wiederkommen.

 

 

5) Bist du alleine für deine Aufgaben verantwortlich oder gibt es mehrere im Verein, die der Tätigkeit des Zeugwartes nachgehen?

 

Armin Ratzesberger: Insgesamt sind wir zu dritt: Wolfgang Janout, der für das Schleifen der Schuhe zuständig ist, Franz Wamser, der Schneidermeister ist und immer alles repariert, und ich.

 

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(Bild zeigt: Armin Ratzesberger)

 

6) Übst du den Job des Zeugwartes haupt- oder nebenberuflich aus?

 

Armin Ratzesberger: Ich mache das hauptberuflich.

 

 

7) Zurzeit ist es noch ziemlich heiß draußen. Inwiefern denkst du trotzdem schon an Eishockey?

 

Armin Ratzesberger: Nach Saisonende sind zwei Wochen Pause, somit haben wir Urlaub. Dann geht es bereits wieder los: Die neuen Spieler werden verpflichtet und das neue Material muss bestellt werden. Seit zwei Wochen nun sind wir bereits wieder in der Halle und richten Kleinigkeiten in der Kabine her und bereiten allgemein alles für den Trainingsstart am 04. August vor, sodass jeder Spieler ab dann wieder alles hat, was er benötigt.

 

 

8) Wie viele Schläger benötigen die Spieler im Durchschnitt in einer Saison? Brechen sie eher bei Stürmern oder Verteidigern?

 

Armin Ratzesberger: Es ist relativ unterschiedlich: Im Schnitt benötigen wir 20 Schläger pro Spieler. Bei den Center-Spielern, die das Bully machen, brechen die Schläger leichter.

 

 

9) Was magst du an deiner Arbeit gar nicht?

 

Armin Ratzesberger: Ich weiß es nicht... an meinem Job gibt es wenig, was man nicht mögen könnte. Es ist jeder Tag anders und es gefällt mir sehr, dass ich immer mit anderen Leuten zusammenarbeiten darf, die auch andere Sprachen sprechen. Natürlich kann es manchmal sehr stressig sein, aber großteils ist es sehr angenehm in meinem Job.

 

 

10) Muss man als Zeugwart oft improvisieren?

 

Armin Ratzesberger: Ja, es kann jederzeit während des Spiels etwas passieren, was man zuvor nicht weiß, wie zum Beispiel, dass ein Helm oder ein Visier brechen beziehungsweise dass dem Goalie das Gitter seines Helmes eingeschossen wird. Jedoch sind wir relativ gut aufgestellt und haben immer Ersatzmasken für einen solchen Fall mit, sogar für den zweiten Goalie, sodass er jederzeit wechseln könnte. In der Zwischenzeit habe ich dann die Zeit, diese Dinge wieder herzurichten.

 

 

5 Kurzfragen an Armin Ratzesberger

 

Spielst du selbst Eishockey? Nein nicht wirklich, nur hobbymäßig. Früher spielte ich Fußball.

 

Hast du einen Lieblingsspieler? Nein, in meinem Job kann man keinen Lieblingsspieler haben, es sind alle gleich.

 

Stellen die Trikots nach Spielen eine besondere Geruchsbelästigung dar? Ja, es geht. Natürlich sind sie verschwitzt. Jedoch waschen wir sie sofort und dann riechen sie wieder gut (lacht)! Grundsätzlich haben wir auch drei Trikots: eine Heimdress, eine Auswärtsdress und eine Warm-Up-Dress für zu Hause. Weiters gibt es noch Dressen für bestimmte Anlässe, wie zum Beispiel Weihnachten oder Halloween.

 

Hast du schon einmal etwas Wichtiges vergessen einzupacken? Ja, einmal packte ich die falsche Dress ein (lacht), da hatte ich einen Spieler vergessen. Es war letzte Saison denke ich: Rob Hisey war so lange verletzt und ich packte die Dressen so ein, wie ich es mir dachte und hatte ihn dann vergessen.

 

Was hast du dann gemacht, als es bemerkt wurde? Wir haben immer sogenannte „Blutdressen“ mit, wo sich auf dem Rücken kein Name befindet. Er musste dann mit so einer spielen. Aber das ist natürlich nicht ideal für den Spieler, wenn sein Name nicht auf seiner Dress steht.

 

Hast du manchmal frei und dann die Möglichkeit, dir ein Spiel von der Tribüne aus anzusehen? Nein, eigentlich nie. Ich bin immer dabei. Die einzige Möglichkeit, die ich habe, mir ein Spiel aus weiterer Distanz anzusehen, ist ein Länderspiel.

 

Frei habe ich in dem Sinn, wenn ein Spiel ist, nie. Außer man ist wirklich krank, dann sollte man nicht in die Nähe der Spieler kommen, da Ansteckungsgefahr besteht. Ich hatte bis jetzt aber Glück und war in den letzten Jahren nie krank.

 

Wir möchten uns bei dir für dieses Interview recht herzlich bedanken und wünschen dir alles Gute für deine berufliche Karriere als Zeugwart!

 


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