Andreas Gröbl: "David Alaba hat gegen Thomas Vanek keine Chance!".

 

(Interview) F.M: Formel 1, Schladming, Fußball WM, Olympia oder Eishockey. Egal, Andreas Gröbl ist mit Servus TV überall zu finden. Mathias Funk (eishockeyonline.at) hat sich mit dem sympathischen Moderator zu einem Interview getroffen und sich dabei nicht nur über die EBEL und das Nationalteam unterhalten.

 

Groebl Foto Neumayr

(Foto: Servus TV / Neumayr)

 


 

 

 

Hallo Andreas, danke dass du dir Zeit nimmst für eishockeyonline.at. Wie geht es dir? Was treibst du momentan?


Andreas Gröbl: Sehr gerne und danke der Nachfrage. Ich bin gerade in der Spielanalyse des Saisonauftakts meines älteren Sohnes - allerdings beim Fußball. Er spielt Stürmer in der U12. Die ersten drei Punkte haben sich die Burschen heute gesichert. Und nebenbei groove ich mich gerade ein auf die neue EBEL-Saison.

 

 

Du bist seit der ersten Stunde bei Servus TV tätig. Was macht den Sender für dich so besonders?


Andreas Gröbl: Ja, ich bin mittlerweile einer der Dinosaurier hier, die schon 2009 auf Sendung waren. Das Besondere an ServusTV im Vergleich zu allen anderen Sendern, für die ich von Deutschland bis Katar gearbeitet habe ist einfach erklärt: Es gibt keinen Stillstand. Jeden Tag versucht man, besser als am Vortag zu sein. Es gibt viel Raum neue Dinge auszuprobieren. Wer einen Beamtenjob sucht, der ist hier definitiv fehl am Platz.

 

 

Egal ob Formel 1, Fußball, Ski oder Eishockey. Andi Gröbl sieht man immer und überall! Welche Sportart ist dein Favorit und warum?


Andreas Gröbl: Ich will ganz ehrlich sein: Der Grund, warum ich zum Fernsehen wollte war immer der Motorsport. Als Fahrer hat es in der Formel 1 irgendwie nicht geklappt, also war Fernsehen die zweitbeste Lösung. Und hätte ich nicht die Chance als Boxengassenreporter bekommen, wäre ich heute wahrscheinlich Koch bei einem Formel 1-Team. Kochen war nämlich auch immer eine Leidenschaft von mir. Mein Herz schlägt aber genauso für den Fußball. Ich habe 35 Jahre aktiv im Verein gekickt und noch mit 43 ein paar Tore gemacht für meinen Verein. Da muss man schon einen gewissen Vogel haben, wenn man sich diese Schmerzen am Tag danach in dem Alter noch antut  Als Fernsehsport ist Eishockey für mich etwas ganz Großes. Da wird nicht so viel gejammert und herumgeheult. Wenn einer am Eis liegen bleibt, weißt Du, der hat jetzt echt etwas abgekriegt. Das hat etwas mit Ehrlichkeit zu tun, die dem Profifußball mittlerweile weitgehend abhandengekommen ist. Das tut als Reporter gut.

 

 

In welcher Sportart erlebst du die beste Stimmung?


Andreas Gröbl: Es gibt viele Gänsehautmomente. Wenn in den Playoffs ein spätes Tor fällt, dann hörst du deine eigene Stimme auf Sendung nicht mehr. Das ist extrem cool. Aber Stimmung ist oft situationsabhängig. Wenn Marcel Hirscher in Schladming den zweiten Durchgang zum Sieg runterfährt kann das stimmungsmäßig auch was. Die größte Gänsehaut habe ich aber beim umstrittenen Platztausch zwischen Michael Schumacher und Rubens Barrichello in Österreich bekommen. Ich war live neben Jean Todt, der den Befehl am Funk gegeben hatte („Let Michael pass for the championship“).

 

Die Buhrufe und Pfiffe von zehntausenden Besuchern waren lauter als die kreischenden 19.000 Umdrehungen der Motoren. Das sagt alles. Und es gibt auch beim Eishockey langweilige Stimmung. Ich werde nie vergessen, wie lausig die Stimmung in einem NHL Pre Season Game sein kann. Ich dachte mir, bei 18.500 in Minnesota muss das Dach wegfliegen. Aber die Amis waren mehr am Hot Dog-Stand als beim Spiel.

 


Wie läuft ein Arbeitstag, an dem eine Livesendung ansteht, genauer ab?


Andreas Gröbl: Die Vorbereitungen beginnen bereits Tage zuvor. Wir sind ja ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus halb Mitteleuropa. Da gibt es drei bis vier Tage vorher eine Telefonkonferenz, wo wir Themenvorschläge platzieren, Filmbeiträge besprechen und so weiter. Am Tag selbst reisen wir oft gemeinsam in Gruppen an. Auf der Fahrt kauen wir so viele Fachthemen durch, dass ich oft Angst habe, bis zur Sendung sind alle Kollegen dann leer und verbraucht. Meist sind wir drei Stunden vor dem Bully in der Halle und gehen direkt in unsere Redaktionssitzung. Dann gibt es technische Proben, Make Up, eine Durchlaufprobe des ersten Sendungsteils und leider nie genug Zeit, um mit Spielern oder Coaches noch ein paar Worte zu wechseln. Ja, und irgendwann ist dann Rotlicht und wir rocken die Show.

 

Beim Eishockey ist es nie langweilig. Und ich lerne jede Sendung noch etwas Neues dazu. Irgendwann weit nach Mitternacht kommen wir dann alle nach einem langen Tag heim, ärgern uns über kleine Fehler, die uns passiert sind, danken unseren Frauen für ihre endlose Geduld mit uns Deppen, die jede freie Minute in der Halle sein wollen und flehen den Wecker an, ob er nicht noch irgendwo ein paar Minuten extra zu vergeben hat. Denn am nächsten Tag müssen bei vielen von uns die Kinder wieder in die Schule oder den Kindergarten und haben null Verständnis, wenn der Frühstückskakao nicht rechtzeitig am Tisch steht.

 


Welcher Moment war in deiner Moderatorkarriere der unvergesslichste?


Andreas Gröbl: Zum Glück ist der Job so abwechslungsreich, dass nie Routine aufkommt. Ich werde irgendwann einmal ein Buch darüber schreiben. Unvergesslich war vieles: tausende Kilometer durch die Sahara während der Rally Paris-Dakar. Oder Fußballspielen mit Michael Schumacher. Da war er echt lässig und überhaupt nicht abgehoben. Ich habe ihm vor voller Tribüne ein „Gurkerl“ geschoben, wie wir sagen. Tunnel sagt man in Deutschland. Er war not amused.

 

Aber das meiste Adrenalin hatte ich wohl, als ich vor ein paar Jahren das Finale der European Trophy in Bratislava zwischen Luleå und Färjestad kommentieren durfte. Und zwar auf Englisch für ESPN. Die Amerikaner waren ganz heiß drauf, weil in der NHL gestreikt wurde. Es gab kein Hockey im Fernsehen. Und eine Stunde vor dem Spiel ging der US-Kommentator k.o. Irgendwelche slowakischen Lebensmittel-Bakterien haben ihn ausgeknockt. Also musste ein Kommentator her. Also wurde ich als Moderator bei ServusTV abgezogen und in die US-Kabine transferiert. Zum Glück hatte ich Gary Venner als Ko-Kommentator an meiner Seite. Der war allerdings um nichts weniger nervös als ich. ESPN hat das voll mit uns durchgezogen. Heute lachen wir herzlich drüber. So etwas verbindet fürs Leben.

 

 

Als gebürtiger Wiener bist du mit der vergangenen Saison in der Erste Bank Eishockey Liga sicherlich sehr zufrieden. Wie hast du die Meisterschaft der Vienna Capitals erlebt?


Andreas Gröbl: Ich schicke vorweg: ich bin kein Wiener, auch wenn ich dort geboren wurde. Ich habe auch keine Präferenz für irgendeinen Verein in der EBEL. Das hat etwas mit professioneller Auffassung des Jobs zu tun. Ich halte das in allen Sportarten so. Auch wenn es nur zu menschlich ist, dass man sich halt mit manchen Sportlern anfreundet. Aber das darf nie die Objektivität in deinem Beruf beeinträchtigen. Ich weiß, das ist selten. Aber wenn man das als Reporter durchzieht, dann hören sich irgendwann auch die Versuche auf, dich zu vereinnahmen.

 

Ich weiß nicht, ob es noch immer so ist. Aber in der EBEL mussten Journalisten bei der Akkreditierung lange Zeit angeben, über welchen Verein sie schreiben. Dieser Verein hat dann mitentschieden, ob dieser Reporter eine Jahresakkreditierung erhält oder nicht. Das fand ich ziemlich schräg. Beim Fernsehen betrifft uns das zum Glück nicht. Aber um die Frage zu beantworten: Für die Sportstadt Wien war das großartig. Persönlich freut es mich, wenn Investitionen in neue Infrastruktur sich bezahlt machen. Wenn Du eine schöne, moderne, angenehme Halle hast, dann wächst etwas. Dann kommen nicht nur die „die hard fans“, sondern auch mal Geschäftspartner, Ehefrauen, Kinder und deren Freunde mit. Und dann wollen viele kleine Buben und Mädchen selbst einmal aufs Eis. Darum geht es ja letztlich.

 

Die Capitals haben da viel richtig gemacht in einer Stadt, in der der Sport auf Rang 147 der To-Do-Liste der Rathaus-Beamten steht. Und vergessen wir nicht: die Capitals haben über Jahre gerechnet mehr Zuseher bei Heimspielen als die Wiener Austria im Fußball. Das hat mich auch überrascht.

 

 

Mit Salzburg und Klagenfurt aber auch Linz haben die Wiener einige gute Jäger, die den Pott haben wollen. Denkst Du, die Caps haben das Zeug zur Titelverteidigung?


Andreas Gröbl: Wir haben so oft erlebt, dass wir im September geglaubt haben, alles über die Kräfteverhältnisse zu wissen und im ersten international break war alles anders. Natürlich sollten die Caps mit einer de facto unveränderten Mannschaft vorne mitspielen können. Aber wer weiß schon, wie das Klima in der Mannschaft sich durch den Titel ändert? Sind einige weniger hungrig als im Vorjahr? Sind Spieler mental angeknackst, weil sie statt einer neuen Traumgage zähneknirschend eine Lohnkürzung hinnehmen mussten? Alles schon da gewesen. Deswegen bin ich vorsichtig mit Prognosen.

 

 

Wie wichtig ist die Rückkehr von Medvescak Zagreb für die Liga?


Andreas Gröbl: Für die Liga ist es definitiv eine Bereicherung. Und Zagreb ist eine tolle Stadt. Fürs Fernsehen ist es oft mühsam, weil du für ein Livespiel dein ganzes Zeug außerhalb des Schengen-Raums transportieren musst, und zwar mit allen Konsequenzen am Zoll.

 

 

Was muss passieren, damit das Nationalteam eine dauerhafte A-Nation wird?


Andreas Gröbl: Zuerst müsste einmal ServusTV der Sender sein, der die Spiele der Nationalmannschaft überträgt. Das wäre ein wichtiger Schritt zur Qualitätsverbesserung. Aber Spaß beiseite - die Kollegen vom ORF machen das auch hervorragend. Ich glaube nach mittlerweile 40 Jahren interessierten Beobachtens, dass Österreich vielleicht wirklich das Fahrstuhl-Gen besitzt. So sehr ich es mir wünschen würde. Ich sehe das A-Team nicht dauerhaft oben. Und leider tragen diverse Eskapaden bei Großereignissen nicht gerade dazu bei, diese Einschätzung zu revidieren. Da scheint es infrastrukturell und organisatorisch doch noch Luft nach oben zu geben. Ich höre viel, denke mir als Journalist meinen Teil und werde den Teufel tun, den Profis hier unangebrachte Tipps zu geben.

 

 

Wer ist für dich der größte Eishockeyspieler, den es in Österreich je gab?


Andreas Gröbl: Thomas Vanek bei seinem Graz-Gastspiel. Wie könnte man da dagegen argumentieren? Und Marc Brabant vom KAC. In dieser Reihenfolge.

 

 

Wäre Marcel Hirscher ein Eishockeyprofi, welche Position würde er spielen und warum?


Andreas Gröbl: Das sind die Fragen, vor denen sich auch Marcel immer so fürchtet. Er wäre natürlich ein sehr intelligenter, fokussierter Offensivspieler mit viel Übersicht und großem Teamplay. Am ehesten so ein Typ wie Thomas Koch. Je mehr ich drüber nachdenke… ja, Marcel und Thommy sind eigentlich aus dem gleichen Holz geschnitzt.

 

 

Du bist musikalisch sehr begabt. Welcher Sportler hat für dich den besten Musikgeschmack? David Alaba oder Thomas Vanek?


Andreas Gröbl: Ja, danke für die Erwähnung. Gitarre spielen, Songs schreiben, Auftreten mit meiner Band ist mein liebstes Hobby. Ohne dem David Alaba nähertreten zu wollen: aber da hat er gegen Thomas Vanek keine Chance bei mir. Gerade jetzt, wo der ja auf einem Breitengrad spielt, wo man von Bryan Adams bis Neil Young so viel gute ehrliche handgemachte Rockmusik zu bieten hat. Musikalisch kannst du in Kanada fast nichts falsch machen. Sorry David!

 

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(Foto: Servus TV / Neumayr)

 

 

 

 

 


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