Yvonner Grascher: "Leider bekommt man vom Damen-Eishockey viel zu wenig mit!".

 

(Interview) F.M: Yvonne Grascher ist seit kindesbeinen an fest mit dem Eishockeysport verankert. Die gebürtige Kärntnerin fungiert nicht nur als anerkannte ÖEHV und IIHF Schiedsrichterin, sondern widmet sich neben ihrem Studium für Lehramt auch noch anderen Aufgaben im ÖEHV Bereich. Eishockeyonline.at Redakteur Mathias Funk traf die sympathische 25- Jährige vor wenigen Tagen zum Interview. Die naturliebhaberin erzählt darin von ihrem Weg zur Schiedsrichterin, der Anfrage vom Eishockey-Weltverband sowie über ihre Zeit als Zuseherin beim KAC.

 

Yvonner Grascher Ref

(Foto: Yvonner Grascher)

 


 

Eishockeyonline.at: Wie waren deine Eindrücke von der WM und hast du dich bereits wieder erholt? Dein Rückflug aus Sofia war ja besonders turbulent...

 

Yvonne Grascher: Bei einer WM dabei sein zu können ist echt cool. Neue Leute kennen lernen, eine neue Stadt sehen, etwas on ice dazu lernen und sich beweisen. Ja, der Rückflug war nicht so prickelnd und ich dacht mir auch direkt danach „Bitte nie mehr“

 

 

Erzähl mal, wie kam es dazu, dass du Schiedsrichterin geworden bist? Hast du einen Faible für Ordnung oder haperte es am Spielerischen?

 

Ich bin mit Eishockey aufgewachsen. Bereits mit 3,5 Jahren stand ich beim KAC am Eis und ich durfte im damaligen B-Nationalteam – das heutige U18 Nationalteam – spielen und bereits einige  Zugstrecken, meist von Kärnten nach Vorarlberg, zurücklegen. Vor 7 Jahren hängte ich jedoch die Spieler „Karriere“ an den Nagel und wechselte die Seite. Beides aber irgendwie auch keines von beiden  ich bin mit Disziplin und Ordnung aufgewachsen, musste mich von klein auf mit meiner Schwester bei den Jungs durchsetzen, außerdem will ich Lehrer werden und arbeite gerne mit Kids und Jugendlichen und will das Dameneishockey weiterbringen, daher denke ich, dass das schiedsrichtern gut dazu passt.

 

Spielen tu ich noch immer – ich kann es einfach nicht lassen – aber ich war immer zu faul mehr zu trainieren, so dass mich die anderen Spielerinnen eingeholt bzw. überholt haben. Außerdem liegt es mir mehr bei den Männern zu spielen. Meine Schwester, Tamara, ist in der Hinsicht viel zielstrebiger und ehrgeiziger gewesen.

 

 

In welchen Ligen in Österreich bist du an der Pfeife?


Im Land prinzipiell alles, Nachwuchs bis Div 1. In Österreich bis einschließlich U18 (EBJL)

 

 

Du bist anerkannte IIHF Schiedsrichterin. Beschreibe den Moment, als der Eishockey Weltverband bei dir klingelte.

 

Ich habe eigentlich recht lange darauf gewartet und dachte dann schon es wird nie mehr passieren, deshalb habe ich mich riesig gefreut. Aber es war auch gleich Mal ein Moment von Nervosität (weil man nicht weiß was einen erwartet, man keine Fehler machen will und es eine ganz neue Situation ist) und ein bisschen Angst, da ich das erste Mal fliegen musste).

 

 

Welche Partie war bislang deine am schwersten zu leitende und warum?

 

Jedes Spiel ist anders und gerade am Anfang kommt es einem immer schwierig vor, daher sehr schwer zu sagen, welches Game besonders schwierig zu leiten war. Ein Eliteliga - Spiel in Frohnleiten war sehr turbulent aufgrund einer Massenschlägerei, diese fällt sicher in die Kategorie, aber auch mein erstes Game bei meiner ersten WM (San Sebastian im Jänner 2017) war schwierig, da ich gerade erst wieder zwei Wochen, nach meinem Kreuzbandriss, am Eis stand und mir keinen Fehler erlauben wollte.

 

 

Hat man als Schiedsrichterin ein Vorbild? Bettina Angerer oder Natasa Pagon vielleicht?

 

Vorbild nicht unbedingt. Bettina kenne ich noch als Spielerin und sie macht einen echt guten Job. Ich sehe mir jedoch die Menschen generell genauer an – wie sie warum was geschafft haben – und versuche mit diesen Erkenntnissen meinen Weg zu gehen. Wer mir jedoch in den 7 Jahren als Schiri viele Tipps gegeben hat und den ich immer wieder kontaktiere ist mein Mentor, Tony Haas.

 

 

Eishockeyonline.at berichtet immer wieder vom österreichischen Dameneishockey. Wie wichtig findest du es, dass man nicht nur was von den Cracks aus der EBEL liest?

 

Leider bekommt man viel zu wenig mit vom Dameneishockey. Es wissen noch immer so viele nicht, dass es auch sehr gute österreichische Damen Teams gibt und dass das Damennationalteam, sowohl U18 als auch das A-Team, sehr gute Erfolge erzielt und im Weltranking bessergestellt ist als die diversen Herrnnationalteams. Gerade als U18 Damennationalteam Teammanagerin ist es mir sehr wichtig, dass man mehr von den Mädels und ihren Turnieren und der WM hört und sieht. Z.B. bestreitet das U18 Damennationalteam zwei WM-Vorbereitungsspiele – am 30.12 in Budapest gegen Ungarn und am 6.1 in Asiago gegen Japan – und das A-Team spielt am 28.12 in St. Pölten gegen Ungarn und am 30.12 in Dornbirn gegen Kanada.

EBEL Cracks sind natürlich für die Fans interessant, aber die Eishockeyinteressierten sollten eigentlich auch wissen, dass es in Österreich mehr als die EBEL und ihre Cracks gibt.

 

 

Du studierst an der Alpen-Adria Universität in Klagenfurt Lehramt für Geschichte und Mathematik. Nimmst du bestimmte Grundprinzipien aus dem Klassenzimmer auch mit auf das Eis?

 

Da ich noch angehende Lehrerin bin werde ich wohl die Grundprinzipien vom Eis mit ins Klassenzimmer nehmen. Leider nimmt die Disziplin und Erziehung im Allgemeinen immer mehr ab. Dies würde ich gerne in meiner Zukunft sowohl on ice als auch im Klassenzimmer ändern, wobei es mit dem Sport höchstwahrscheinlich einfacher funktioniert.

 

 

In deiner Freizeit verbringst du viel Zeit mit deinem Hund und gehst gerne auf Reisen. Wie lässt sich Uni, Freizeit und Eishockey unter einen Hut bringen?

 

Freizeit (lacht), wenn man das noch Freizeit nennen kann. Nein, also ich mache das alles wahnsinnig gerne. Wenn die Saison zu Ende ist, vermisse ich bereits das Eis und den ganzen Stress rund herum. Es ist zwar nicht leicht die vielen Aufgaben (Uni fertig werden, Diplomarbeit schreiben, U18 Teammanager, Schiedsrichter, selbst spielen, Hund, Freunde etc.) unter einen Hut zu bringen – vor allem im Winter. Leider kommt vor allem in dieser Zeit Arthos (Hund) viel zu kurz, ich versuche ihn aber ans Eishockey zu gewöhnen, damit er mich in Zukunft begleiten kann. Der nächste Sommer bzw. die nächste Eishockey Pause gehört ganz ihm und den Bergen.

 

 

Welche Ziele verfolgst du in deiner sportlichen Zukunft?

 

Ein konkretes Ziel habe ich nicht, muss ich ehrlich zugeben. Bis vor einem Jahr war mein Ziel bei einer WM am Eis zu stehen und das habe ich erreicht. Was ich jedoch im sportlichen Bereich erreichen will ist, dass das Dameneishockey populärer wird. Außerdem will ich ab dem kommenden Jahr einen weiteren Part im Hockeyleben fokussieren, da ich mit dem Eishockeynachwuchs arbeiten will. Vielleicht ja als Trainerin..

 


 

Yvonner Grascher privat

(Foto: Yvonne Grascher)

 

5 Kurzfragen an Yvonne Grascher:

 

Bier oder Wein? Im Sommer eher Wein bzw. Spritzer und im Winter beim Hockey eher Bier.

 

Mittelmeer oder Wörthersee? Die Eishalle (lacht).  Nein, ich mag keine heißen Sommer. 23 Grad reichen mir vollkommen und das Wasser ist mir in den meisten Fällen einfach zu kalt, daher keines von beiden. Aber der Wörthersee und Kärnten generell ist der beste Erholungsort, auch wenn es Mal schön ist „weg“ zu sein – dann stehen bei mir jedoch Städte, Regionen und vor allem Kultur im Vordergrund.

 

Rote Jacke oder blaues Bluat? Mittlerweile keines von Beiden. Nicht weil wir eigentlich unparteiisch sein müssen, sondern weil ich die Spiele seit ca. 3 Jahren gar nicht mehr verfolge – bin sowieso selbst andauernd am Eis in der Zeit. Als Kind war ich durch und durch Rot-Weiß und vor allem Thomas Koch Fan. Später dann gefiel mir Red Bull Salzburg und Linz sehr gut. Ersteres natürlich auch, weil Tommy dorthin gewechselt ist.

 

Hobby? Viel Zeit bleibt im Winter nicht mehr für Hobbies, aber Skifahren gehört auf alle Fälle dazu. Motorradfahren wäre etwas für den Sommer.

 

Eishockey ist ein "Männersport"? Nein eigentlich nicht. Auch wenn die Damennationalteams im Worldanking weiter vorne sind als die Männer, fehlt es leider noch immer an vielem. Zum Beispiel kann man als Frau Eishockey nicht als Profi betreiben, da man sich alles selbst finanzieren muss und nichts dabei verdient. Außerdem fällt es den Männern leichter nebenbei eine Familie zu haben/gründen. Trotzdem ist meiner Meinung nach Eishockey kein reiner Männersport mehr.

 

 

Interview: Mathias Funk

 

 

 

 

 

 

 


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