Gregor Baumgartner: "Natürlich ist es schwierig mit kleineren Budgets!"

 

(Interview) MF: Gregor Baumgartner zählt zu den bekanntesten Gesichtern im österreichischen Eishockeysport. Früh in seiner Karriere versuchte sich der gebürtige Leobener in Übersee, kehrte dann aber in die heimische Erste Bank Eishockey Liga zurück, wo er sich dann auch den ein oder anderen Titel sicherte. Mittlerweile kennt man den 38- Jährigen aus dem Fernsehen, wo er Woche für Woche als TV-Experte fungiert. Die Fernsehkarriere dient jedoch nicht als einziges Standbein des früheren Nationalspielers. Eishockeyonline.at Redakteur Mathias Funk stand Gregor Baumgartner Rede und Antwort.

 

Gregor Baumgartner Potrait

(Foto: Gregor Baumgartner)

 


 

Gregor, wie gehts es dir? Was machst du seit deinem Karriereende 2015?


Danke mir geht’s sehr gut. Ich hatte zum Glück schon etwas vorgesorgt und mich um meine Zeit nach der Karriere gekümmert. Ich hatte  damals schon meine Trainerausbildung fertig und Servus TV und Laola1 haben mir sogar sofort eine Chance gegeben als Tv Experte.. Dafür bin ich sehr dankbar obwohl ich mittlerweile bei Sky Sport  Austria als Experte tätig bin.  

 


Du bist also als Mentalcoach unterwegs. Wie sieht deine Arbeit dort aus?


Nein ich bin kein Mentaltrainer sondern ich arbeite  mit verschiedenen Menschen aus allen Bereichen zusammen. Es geht immer darum besser zu werden wo auch immer man steht. Unter dem Motto: #GetBetter, jeder hat seine Ziele und ich helfe ihnen dabei sie zu erreichen. Sei es im Sport oder eben auch in der Wirtschaft. Mit der Ergo Gruppe haben wir sogar ein Projekt für Profi und Leistungssportler entwickelt wo diese neben ihrer Karriere eine zweites Standbein aufbauen können. Nicht zu vergessen das ich auch beim ÖEHV für Ausbildung und Entwicklung zuständig bin.

 


Blicken wir auf deine Karriere zurück. Während der Jahrtausendwende hast du in Übersee um ein Engagement in der NHL gekämpft. 2002/2003 hat es dann bei den Utah Grizzlies für die AHL "gereicht". Dort standst du sogar im All-Star Game. Warum hat es mit der NHL nicht funktioniert? (Wenn man das so sagen kann..)


Wenn du es nicht schaffst bis ganz nach oben kannst du über viele Dinge nachdenken warum und wieso aber letztendlich sind es einige Faktoren die fehlten. Im Sport brauchst du können und auch etwas Glück, wobei das Timing auch entscheidend ist. Ich denke aber wenn man gut genug ist schafft man es. Somit waren es einige Kleinigkeiten in denen ich nicht gut genug war. Entscheidend war vor allem die Konstanz. Da ich in der Gegenwart weile denke ich nicht mehr über vergangenes nach sondern arbeite im hier und jetzt und gebe meine Erfahrungen gerne weiter. Mein Wunsch ist es Spieler zu helfen und  das Optimum aus sich und seinem Talent raus zu holen.

 


In Österreich warst du für den EHC Linz, die Vienna Capitals und in Salzburg unter Vertrag. Man kann sagen, du hast alle österreichischen Topklubs durch. Wo war es für dich am schönsten und warum?


Grundsätzlich war es bei allen Klubs etwas besonderes .Leider war ich in Salzburg in einer schwierigen Phase meiner Karriere und  meine Performance war zu schwach um dort Fuß zu fassen. Trotzdem verdanke ich Red Bull Salzburg  einiges, denn sie haben mir in dieser Zeit wieder eine Plattform gegeben um Eishockey zu spielen, welches dann zum  zweiten Engagement bei den Vienna Capitals geführt hat mit denen ich in der selben Saison noch den Meistertitel feiern durfte. Ich könnte hier vielen einzelnen Menschen danken jedoch möchte ich hier  einen besonders hervor heben. Christopher Hamilton (inner performance), damals engagiert von den Capitals um Spieler und Mannschaft in Einklang zu bringen. Mit Chris hat sich  mittlerweile über 14 Jahre eine tolle Freundschaft entwickelt. Er hat mich im Sport als auch  privat wieder in die Spur gebracht. Wien und Linz waren sicher tolle Stationen mit je einem Meistertitel. Leider war der Abschluss in Linz nicht optimal obwohl ich dort sehr erfolgreich war. Es bleiben aber mehr positive Erinnerungen im Kopf sowie natürlich die super Saison 2011/12 mit dem souveränen Meistertitel.

 


Derzeit befindet sich die EBEL in einer heißen Phase. Die Playoffs stehen quasi vor der Tür. Wer macht am Ende das Rennen um den Titel? Kann Wien die Meisterschaft verteidigen?


Eine Meisterschaft zu verteidigen ist immer sehr schwer. Die Capitals haben es aber heuer wieder geschafft den Ton anzugeben. Extreme Stärke sehe ich in  Sachen Schnelligkeit ,Eislaufen und im Umschaltspiel. Von  Defensiv auf Offensive aber auch umgekehrt machen sie  es für die Gegner extrem schwer. Das Scoring ist zwar gut verteilt aber Raphael Rotter sticht hier hervor. Er spielt eine unglaubliche Saison, weil er heuer nicht nur tolle Assists macht sondern auch vor dem Tor eiskalt ist. Ich traue ihnen durchaus eine Titelverteidigung zu. Wie wir aber wissen schreiben die Play offs  oft ihre eigenen Geschichten.

 


In Villach läuft die Saison alles andere als gut. Man sprach zwischenzeitlich von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft in der EBEL. Wie siehst du das?


Natürlich ist es schwierig mit kleineren Budgets mitzuhalten, jedoch sehe ich das in der ganzen Welt so.

 


..auch die ausländischen Cracks beim VSV standen häufig in der Kritik. Greg Holst bzw. mittlerweile Markus Paintner setzten bislang auch viel auf den eigenen Nachwuchs. Zeigt das Beispiel Villach, dass die Legionärs-Zahl in der Erste Bank Eishockey Liga gesenkt werden muss?


..deswegen finde ich es extrem wichtig das diese Vereine auf junge österreichische Talente setzten und diese entwickeln. Sie sind nicht nur günstiger sondern haben auch enorm viel Potential und brauchen oft nur eine Chance zum spielen. Ich denke Villach ist da am richtigen Weg. Als Ausbildung und Entwicklungsleiter würde ich es natürlich begrüßen wenn mehr Österreicher in wichtigen Rollen spielen würden. In Österreich gilt es aber in Zukunft wieder mehr und bessere Nachwuchsarbeit zu machen um wieder mehr Talente  hervorzubringen.

 


Die Zuschauerzahlen stiegen in diesem Jahr aber extrem an. Viele schieben das auf die Rückkehr von Zagreb. Siehst du das genauso oder hast du noch eine andere Erklärung?


Die Zuschauerzahlen sind ja grundsätzlich in den letzten Jahren  fast kontinuierlich gestiegen und ich denke dass es an der Attraktivität der Liga liegt. Jeder schlägt jeden und somit ist jedes Spiel sehr unterhaltsam. Das Umfeld der Liga wurde durch ein solides Management auch stark verbessert.

 


Typen wie Rob Schremp bringen neuen Wind in die Liga und zeigen auf dem Eis eine mehr als sehenswerte Performance. Auch das benötigt die EBEL, oder?


Spieler wie Schremp oder Mueller sind natürlich eine Aufwertung und genau das sollte der Weg einiger Mannschaften sein. Lieber Top Legionäre verpflichten aber dafür die Stückzahl reduzieren. Für mich ist ein guter Legionär derjenige der jungen Österreichern hilft und  sich auch im Verein  engagiert.

 


Das ÖEHV Team steht im Frühjahr in Dänemark auf dem Eis und kämpft dort um den Nichtabstieg aus der A-WM. Was traust du den Rot-Weißen bei der Weltmeisterschaft zu und wie ist der Verbleib im A-Pool zu erreichen?


Das Nationalteam steht heuer vor einer sehr großen Herausforderung. Der Klassenerhalt wird Top Leistungen von allen Cracks erfordern. Letztes Jahr  haben wir es geschafft eine tolle Einheit zu formen um den Aufstieg zu schaffen. Dies wird auch heuer entscheidend sein denn vieles wird über Wille  und Kampfgeist entschieden werden. Ich sehe es positiv, dass wir wieder in der A Gruppe sind und erhoffe mir bzw. wünsche  Roger Bader und seinem Team eine erfolgreiche WM.

 


Machen wir einen Abstecher nach Asien. Im südkoreanischen Pyeongchang finden in derzeit die olympischen Winterspiele statt. Die Sportart Eishockey muss dabei auf die Stars aus der NHL verzichten. Wie ist deine Meinung dazu?


Ich finde es natürlich sehr schade dass die NHL Spieler  bei Olympia fehlen. Es ist einfach genial wenn sich die Besten der Welt messen können. Schade aber wie auch hierzulande ist nicht immer der Sport an erster Stelle.

 


Zurück zu dir. Du bist auch TV Experte in der Servus Hockey Night. Wie kam es dazu?


Bei Servus TV bin ich nicht mehr. Bei Laola1 und Servus TV durfte ich aber  meine ersten Erfahrungen machen. Mittlerweile bin ich seit Februar 2017 bei Sky Sport Austria als Experte tätig. Zu meiner TV Tätigkeit kam es weil ich schon während meiner Spielerkarriere immer wieder nachgefragt habe ob ich das danach mal versuchen darf. Constanze Weiss hat mir damals geholfen um dies zu ermöglichen.. Sie ist mittlerweile auch bei Sky sowie Guido Friedrich, mit dem ich auch schon bei Laola1 zusammenarbeiten durfte. Es macht mir sehr viel Spaß Spiele zu beobachten und zu analysieren. Die Hauptaufgabe sehe ich darin,den  Zusehern Eishockey aus meiner Sicht näher zu bringen und dieses  macht mir sehr viel Spaß.

 

 

Experte und Mentalcoach. Eigentlich eine perfekte Visite für ein Traineramt, oder?


Ich sehe mich im Eishockey als junger Coach der nach letzter Saison (CO Trainer im A Team ) und heuer das U 16 Nationalteam betreuen darf. Ich lerne ständig neue Sachen dazu. Ich hab schon sehr viele Ausbildungen gemacht  Zum Beispiel High Performance Coach von  Hockey  Canada ,Vierumäki Diplom  von Finnland und natürlich auch den A Schein in Österreich aber  jetzt gilt es Praxis zu sammeln. Mein höchstes  Ziel ist wäre aber  die Rolle eines  sportlichen Leiters bei einem Klub einzunehmen. Ich interessiere mich nicht nur für den Sport sondern  auch sehr für die strukturellen und wirtschaftlichen Aspekte und somit wäre dies eine große aber positive Herausforderung. Ich denke in diesem Bereich  liegt noch viel Potential in Österreich und es würde auch meine Leidenschaft stützen wenn ich in dieser Rolle wieder Menschen bei der Entwicklung helfen könnte.

 

Gregor Baumgartner Collage

 

 

 


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