Österreichs Teamchef Roger Bader: "Wir werden Mittel und Wege finden!".

 

(Interview) MF: Ab 5. Mai startet für die österreichische Eishockey Nationalmannschaft die Mission Klassenerhalt. Bei der IIHF WM in Dänemark geht es für das Team von Roger Bader in der Gruppenphase u.A gegen Olympiasieger Russland sowie Weltmeister Schweden. Grund genug also, eine starke Vorbereitungsphase durchzuführen. "Die Jungs haben im Frühjahr einen enorm harten Job zu erledigen!", sagte zuletzt Experte Gregor Baumgartner. Wie der Klassenerhalt funktionieren soll, weiß auch Mathias Funk. Der Eishockeyonline.at Redakteur traf sich vor wenigen Tagen mit dem Headcoach des Nationalteams zum Interview. Der gebürtige Schweizer hinter Bande blickte dabei auch auf die Deutschen sowie die EBEL.

 

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(Foto:eishockeyonline.at) Alles im Blick! Teamchef Roger Bader (rechts) kämpft mit dem ÖEHV bei der WM um den Klassenerhalt!

 


 

Hr. Bader, die WM steht vor der Tür. Das klare Ziel für das österreichische Nationalteam dürfte der Klassenerhalt sein, oder?

 

Die Aufsteiger haben stets das Ziel Klassenerhalt. So ist es auch bei uns.

 

 

Als Schweizer starten Sie mit Österreich gegen ihr Heimatland in die kommende Weltmeisterschaft. Mit welchen Gefühlen gehen sie in solch eine, vielleicht schon richtungsweisende Partie?


Natürlich ist es etwas speziell, gegen mein Heimatland zu spielen. Andererseits darf das keine Rolle spielen. Die Schweiz ist einer von 7 Gegnern. Wir gehen dieses Spiel an, wie jedes andere auch.

 

 

In Dänemark geht es auch gegen Weltmeister Schweden, Olympiasieger Russland sowie die stets bärenstarken Tschechen. Wie wollen Sie gegen diese Topnationen bestehen?


Es gibt gegen jede Nation eine Möglichkeit zu gewinnen, obwohl die genannten Mannschaften Favorit sind. Im Sport gewinnt aber nicht immer der Favorit. Wir werden Mittel und Wege finden, sie zu ärgern.

 

 

Hat es das slowenische Team bei Olympia in Pyeongchang gezeigt, wie man große Eishockeynationen ärgern oder gar schlagen kann?


Als Bundestrainer beobachte ich alle Mannschaften, auch an den vergangenen olympischen Spielen. Das gehört zur Aufgabe eines professionellen Coaches. Man kann nie etwas 1:1 auf die eigene Mannschaft übertragen, trotzdem nimmt man schon war wie oder was andere im Erfolgsfall tun.

 

 

Zuletzt mussten Sie bei der Euro Hockey Challenge kadertechnisch kurzfristig improvisieren. Wie schwer ist so etwas für einen Trainer, dem nicht viele Spieler zur Verfügung stehen?


Improvisieren ist das falsche Wort. Es gab Absagen und es wurden Spieler von der Abrufliste nachnominiert. Das gehört zum "daily business" eines Bundestrainers. Damit muss man umgehen können. Ich kann das.

 

 

Konnten Sie bei den Begegnungen gegen Lettland, Dänemark und Frankreich bereits Dinge für die WM mitnehmen? Wenn ja, welche?


Wir wollen möglichst oft gegen möglichst gute Gegner spielen. Denn durch solche Spiele können wir unser Niveau heben, indem wir gezwungen werden uns deren Tempo und Spielintensität anzupassen. In den Sinne gab es natürlich taktische wie personelle Erkenntnisse, wie auch schon im November.

 

 

Im April stehen für das ÖEHV Team noch einige Testspiele auf dem Programm. Wieso haben Sie sich für diese Vorbereitung, gespickt mit namhaften Gegnern entschieden?


Das ist eine Vorbereitung, die bei A-Nationen gebräuchlich ist. Verschiedene Vorbereitungscamps über einen Zeitraum von 6 Wochen (damit die aus den Playoff ausgeschiedenen Spieler weiter sinnvoll belastet werden) und 8 bis 9 Spiele. Vielleicht war man sich das in Österreich bisher nicht gewohnt, man muss aber mit der Zeit gehen. Das tut unsere Konkurrenz auch. Von den Gegnern spielen wir einfach gegen die besten, welche wir bekommen konnten. Die Top-12-Nationen spielen untereinander die Euro Challenge. Dort kommen wir erst rein, wenn wir dieses Jahr den Klassenerhalt schaffen.

 

 

Blicken wir auf unsere heimische Liga, die EBEL. Die Playoffs stehen an. Gibt es für Sie einen Favoriten auf den Titel?


Favoriten sind Salzburg und Wien. Aber in den Playoffs kann immer mal wieder eine Mannschaft über sich hinauswachsen. Das traue ich dem KAC und Linz zu.

 

 

Der EC VSV verpasst erneut das Viertelfinale. In Villach setzte zuletzt Greg Holst,- so wie aktuell Markus Peintner vermehrt auf junge österreichische Cracks aus dem eigenen Nachwuchs. Gehen die Adler trotz der sportlichen Schieflage den aus ihrer Sicht richtigen Weg?


Als Bundestrainer freue ich mich über jedes Team, welches auf junge Österreicher setzt. Persönlich bin ich auch der Auffassung, dass es der richtige Weg ist, gerade bei Klubs mit tieferem Budget. Bis sich das in Resultate niederschlägt, dauert es manchmal etwas länger, dafür ist der Erfolg nachhaltiger, weil sich die jungen Spieler parallel und gleichzeitig mit der Mannschaft entwickeln. Das ist übrigens einer der Hauptgründe warum Ralf Rangnick im Fussball nur Transfers von Spielern unter 24 Jahren tätigt. Das dieser Weg aber etwas Geduld braucht, muss man den Leuten (Sponsoren, Funktionären, Zuschauern) erklären.

 

 



 

Also sind Sie der Meinung, in der EBEL stehen zuviele ausländische Spieler auf dem Eis?


Jedes Interview die Ausländerfrage... Ich möchte es umdrehen. Als Bundestrainer möchte ich, dass möglichst viele österreichische Spieler in möglichst jungem Alter (damit sie sich entwickeln können) in der Liga in wichtiger und guter Rolle zum Einsatz kommen. Ausländer braucht es und wenn sie gut sind, bereichern sie die Liga. Zur Belastung wird es, wenn sie nicht besser als Österreicher sind. Generell denke ich, dass der junge österreichische Spieler eher unterschätzt wird.

 

 

In Deutschland sieht man die NLA als auch die skandinavischen Ligen als Vorbild was die Importregelungen angeht. Sie kennen sich im schweizer Eishockey bestens aus. Würden Sie die Sicht der Deutschen unterstreichen?


Die Skandinavier sind sehr vorbildlich, beim Ausbilden eigener Spieler. Da sind sie weltweit führend. Dadurch schaffen sie es, als vergleichsweise kleines Land, mit Kanada und Russland (welche über viel mehr Ressourcen verfügen) auf Augenhöhe mitzuhalten. Selbstverständlich ist dieser Weg für jede andere europäische Nation beispielgebend - auch für Österreich.

 

 

Was sagen Sie eigentlich zum großartigen Erfolg ihres Trainerkollegen Marco Sturm und seinem DEB Team in Südkorea?


Deutschland hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert und sich in einen Flow gespielt. Gerade die Leistung im Finale war sehr beeindruckend. Einem solchen Erfolg ist immer ein auslösender Moment vorweggegangen. Im Wort Erfolg steckt das Wort folg-en. Wenn man vieles und richtig investiert, folgt irgendwann der Erfolg. Die Deutschen haben nach dem Scheitern 2013 in Bietigheim alles hinterfragt, daraufhin auch gegen Widerstände Reformen vorangetrieben, an den richtigen Stellschrauben gedreht und sind nun belohnt worden.

 

 

Pochen Sie als Trainer darauf, dass Spieler wie Thomas Vanek oder Michael Raffl zum WM Kader stoßen, oder planen Sie zunächst ohne die beiden NHL Asse?


Pochen ist das falsche Wort. Alle Spieler kommen gerne zum Nationalteam - das weiss ich! Ob NHL - Spieler zum WM-Team stossen, hängt von so vielen Faktoren ab (Playoff-Teilnahme, Fitnesszustand, vertragliche Situation), dass ich nicht wirklich mit ihnen planen kann. Wenn einer dabei ist, ist das ein Bonus.  

 

 

Als Nationaltrainer beobachten Sie jährlich einige Spieler in diversen Ligen. Welche Kriterien spielen bei der Auswahl der Spiele eine Rolle?


Als Bundestrainer beobachte und verfolge ich sämtliche mögliche Kandidaten und besuche sie auch - im Inland und im Ausland. Ein Hauptkriterium ist, ob der Spieler performen kann bei internationaler Spielintensität.

 

 

Die Vienna Capitals gingen mit einem Farmteam in der Erste Liga an den Start, die Red Bull Hockey Juniors präsentieren sich neben der Alps Hockey League auch bei internationalen Challenges. Wie hilfreich ist das für junge,- talentierte Cracks?


Es ist immer gut eine funktionierende Farmteam-Mannschaft zu haben und dass diese in einer kompetitiven Meisterschaft spielen kann. Allerdings wünsche ich mir dass die U20-Nationalspieler viel früher in die Profiliga kommen, so wie das bei den Top-12-Nationen üblich ist. Für die zweite Garnitur der Talente soll der Umweg über die Farmteams führen.

 

 

Sie sind nun seit einigen Jahren beim ÖEHV tätig. Unabhängig vom Endergebnis im Mai, würde Sie ein Engagement bei einem Klub reizen?


Diese Frage stellt sich momentan nicht. Ich bin mit viel Leidenschaft Bundestrainer und kann mir vorstellen, diese Aufgabe noch einige Jahre weiterzuführen. Es ist ohnehin so, dass man bei Nationalmannschaften im Gegensatz zu Vereinen, langfristig denkt (siehe Marco Sturm in Deutschland). Wir haben im November 2016 ein Entwicklung beim Nationalteam eingeleitet, die erst am Anfang steht. Ich möchte sie zu Ende führen und die österreichische Nationalmannschaft an die nächsten olympischen Spiele in Peking führen.

 

 

Kommen wir zum Abschluss. Was machen Sie eigentlich am 20.Mai 2018?


Am 20. Mai 2018 findet in Kopenhagen der WM-Final statt. Da werde ich wohl im Stadion sein.

 

 

 


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