IIHF WM 2021 - Kanada und Finnland kämpfen am Sonntag um Gold! - Deutschland im kleinen Finale gegen die USA.

 

(IIHF WM 2021) Die Eishockey WM 2021 in Lettland befindet sich mitten auf der Zielgerade. Am Samstag fanden in Riga die Semifinals statt, um die Goldmedaille duellieren sich am Sonntag Kanada sowie Weltmeister Finnland.

 

 

IIHF HF CANUSA

 

(Foto: Guntis Läzdäns)

 

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Kanada rückte als erstes ins Endspiel vor

 

In der Arena Riga trafen im rein nordamerikanischen Halbfinalduell die USA und Kanada aufeinander, eine Begegnung die an Brisanz einiges zu bieten hatte. Während die USA sich im Laufe des Turniers permanent gesteigert hatten, wechselten bei Team Kanada dagegen Licht und Schatten recht häufig. Erst durch ihren Punktgewinn gegen den amtierenden Weltmeister Finnland sicherten sich die Ahornblätter das Viertelfinalticket und sie waren nun nach dem Highlight gegen Russland hungrig auf mehr. Zuerst sollte heute die Revanche für die Vorrundenpleite erfolgen. Schließlich setzte sich der Gruppenvierte und Russlandbezwinger Kanada mit einem 2:4 gegen die USA durch und spielt am Sonntag sein 14. WM-Finale nach 1992.

 

Die USA zogen mit einem nie gefährdeten Kantersieg gegen die Slowakei ins Halbfinale in Riga ein, mussten jedoch nun 3 bittere Ausfälle beklagen. Neben Stolarz und Beniers wog wohl die Verletzung ihres Leaders Abdelkader am schwersten, um gegen den kanadischen Erzrivalen zu bestehen und erstmals wieder nach dem letzten offiziellen Titelgewinn 1933 in ein WM-Finale einzuziehen. Außerdem standen neben diesem dem Erfolg noch 8 Bronzemedaillen und 9 Silbermedaillen auf ihrer Habenseite. Es wurde also höchste Zeit für ein neues Miracle on Ice. Die Goldmedaille 1960 in Squaw Valley galt laut IIHF Statuten nicht als WM-Titel.

 

Team Kanada rang nach den gezeigten durchschnittlichen Leistungen der Vorrunde etwas überraschend den Favoriten Russland nach Overtime nieder und erwartete nun zum Klassiker den Nachbarn aus den USA zum Showdown. Gegen die Sbornaja zeigten die Kanadier ihre beste Turnierleistung und schienen rechtzeitig in Schwung gekommen zu sein für diesen Kracher der Extraklasse. Kanada wollte nach dem letzten Titel 2016 und dem verlorenen Finale 2019 gegen Finnland wieder um die heiß begehrte Trophäe mitspielen, musste aber auf Dube heute verzichten.

 

Es versprach ein ‚great day for hockey‘ zu werden mit diesem ersten packenden Halbfinale. Es gab diese Partie erst zum zweiten Mal bei einem WM-Turnier: 2018 hatte die USA beide Matches gewonnen und dann Bronze ergattert. Bei den Kanadiern würde es wohl wieder auf ihre Top Reihe ankommen, die 12 der bisherigen 21 Tore erzielten. Man durfte gespannt sein, wie stark Kanada von ihrer ersten Sturmformation abhängig war, die bislang im Wettbewerb deutliche Ausrufezeichen setzte.

 

Nach kurzem Abtasten gingen die Ahornblätter in der 3. Spielminute durch Pirri früh in Führung. Dieser Treffer wurde zielstrebig herausgespielt, ganz typisch kanadisch. Wie würden die USA darauf antworten? Bisher hatten sie die wenigsten Gegentreffer im Turnier kassiert und dem Gegner in der Vorrunde die höchste Niederlage in einem WM-Turnier bereitet. Kanada erwies sich in den Anfangsminuten als die agilere Mannschaft, welche die Amerikaner meistens außen fern vom Slot hielt. Dann verzeichnete Kanada eine Top Gelegenheit durch Enrique und im Gegenzug scheiterte Labanc vor Kuemper. Danach war wieder Team Kanada mit der nächsten Chance an der Reihe, bevor Donato bei USA am Pfosten scheiterte und kurze Zeit später Kuemper retten musste.

 

Mitte des ersten Drittels kamen die US-Boys besser in Fahrt und gestalteten die Begegnung ausgeglichener. Dies resultierte in der 18. Spielminute folgerichtig im verdienten Ausgleich durch Blackwell, der die Scheibe effektiv abfälschte. Unmittelbar danach wollte Garland mit einem Rückhand Move erneut einnetzen, doch Kanadas Goalie hatte was dagegen. Die USA waren nun hellwach und richtig angekommen im Spiel. Sie schnürten die Ahornblätter in den letzten beiden Minuten ein, übten gehörig Druck aus und kreierten durch geschickte Positionswechsel einige gute Möglichkeiten.

 

Mit einem leistungsgerechten Remis in einem fairen Spiel noch ohne jede Strafzeit verabschiedeten sich beide Teams in die Pause: die erste Hälfte des Drittels gehörte Team Kanada, während die anderen 10 Minuten von den Amerikanern geprägt waren.

 

Im zweiten Drittel knüpfte das US-Team nahtlos an ihre Performance der letzten Minuten an und erspielte sich gleich die nächste super Chance. Der kanadische Goalie musste dann erneut in höchster Not eingreifen, bevor Kanada sich wieder Gelegenheiten erarbeitete. Ihr Top Torjäger Mangiapane brachte seine Ahornblätter in der 25. Spielminute erneut in Führung. Damit erzielte er bereits seinen 6. Treffer und es war sein 10. Scorerpunkt. Die Nummer 88 von Team Kanada setzte sich hier unermüdlich im Slot durch, ging dort hin, wo es für einen Stürmer weh tut und reagierte am schnellsten, um die Scheibe letztlich über die Linie zu drücken. Es war schon beachtlich, welchen Einfluss dieser erst im Laufe der Weltmeisterschaft zum Team dazugestossene Angreifer ausübte.

 

Nach dem Anfangsdruck der USA fand Kanada immer besser in den Rhythmus und beschäftigte Petersen nun mehr. In ihrem ersten Powerplay markierte in der 31. Spielminute Enrique die vermeintliche 2 Tore Führung, die aber von US-Coach Capuano zu Recht in Frage gestellt wurde, da hier ein klares Abseits voranging. Das war eine späte aber sehr weise Challenge. Somit wurde die Uhr zurückgedreht und Kanada konnte weiterhin in Überzahl agieren gegen das beste Unterzahl Team des Turniers, welches ein solides Penalty Killing betrieb.

 

Nach längerer Beschäftigungslosigkeit im Mittelabschnitt durfte Goalie Kuemper wieder sein Können bei einer hochkarätigen Chance von Moore unter Beweis stellen. Dann gab es ein größeres Getümmel vor dem kanadischen Gehäuse, das jedoch keine Strafen nach sich zog. Dank seiner Top Sturmreihe nahm Kanada eine knappe Führung mit in die Kabine.

 

Im Schlussabschnitt sollte es weiterhin eine Partie auf Augenhöhe bleiben, was sich in der bisherigen Schussbilanz auch zeigte, die fast ausgeglichen war. Kanada verzeichnete lediglich einen Schuss mehr. Auch zu Beginn dieses Drittels startete das US-Team furios, musste jedoch in der 41. Spielminute einen Konter hinnehmen, der in Person des heute gut aufgelegten nur 1,78 m großen Mangiapane mit dem 3 zu 1 eiskalt abgeschlossen wurde. Sein heutiger zweiter Treffer wurde wiederum von seinem kongenialen Sturmpartner Brown vorbereitet und Goalie Kuemper bekam ebenfalls einen Assist.

 

Das US-Team schüttelte sich kurz von diesem frühen Nackenschlag und Chmelevski brachte die USA recht bald wieder auf ein Tor heran. In der 44. Spielminute stand er goldrichtig, um den Puck an Kuemper vorbeizubringen. Dieser Anschluss war eminent wichtig, um in dieser Partie noch entscheidende Impulse zu setzen.

 

Pirri und Paul hatten den nächsten Treffer für Team Kanada auf dem Schläger. Den USA fehlte ein wenig die Frische, die sie bisher stets auszeichnete im ganzen Turnier. Kanada hingegen blockte viele Schüsse und gab den Amerikanern nicht viel Platz zur Entfaltung. Nachdem die USA volles Risiko gehen mussten, veredelte Kanada in Person von Danforth durch sein Emty Net Goal in der letzten Spielminute den Sieg. Damit steht Kanada zum 14. Mal in einem WM-Finale seit 1992 und trifft nun am Sonntag in Riga auf den Sieger aus Finnland gegen Deutschland. Die USA darf das Spiel um Platz 3 absolvieren. Als bester Spieler für die USA wurde Wolanin ausgezeichnet, bei Team Kanada wurde Mangiapane mit einer Tissot Uhr geehrt.

 

Deutsches Eishockey-Märchen endet gegen Finnland - Kampf um Bronze noch offen

 

Der Traum vom ersten WM-Finale in der Geschichte des deutschen Eishockey ist am Samstag von einer finnischen Abwehrmauer zerstört worden. Der amtierende Weltmeister konnte sich mit 2:1 gegen Deutschland durchsetzen und nutzte dabei die wenigen Fehler, die auf Seiten der DEB-Auswahl begangen wurden. Deutschland kämpfte aufopferungsvoll bis zur letzten Sekunde, doch die Scheibe wollte nicht über die Linie. 

 

IIHF HF FINGER

 

(Foto: Guntis Läzdäns)

 

Es war nach Spielende schwierig für den Spielverlauf die richtigen Worte zu finden. Deutschland hat eigentlich "fast" alles richig gemacht und die Finnen über drei Drittel derartig gefordert, dass ein Sieg und ein Einzug ins Finale gerecht gewesen wäre. Die Einstellung, das Zweikampfverhalten, die Diszipin, alles haben die DEB-Jungs sehr gut umgesetzt, nur das Tore schiessen bleibt einfach das Manko für die Deutschen. 

 

Finnland nutzte im ersten Drittel zwei der wenigen Chancen gnadenlos aus und konnten mit einer ernüchternden 2:0 Führung in die erste Drittelpause gehen. Nach dem Wiederanpfiff das gleiche Bild: Deutschland war am Drücker und diesmal konnte im Powerplay durch einen Schlagschuss von Matthias Plachte der finnische Goalie überwunden werden. Mit diesem knappen Rückstand konnte man sich noch weiter steigern und war drauf und dran den Ausgleich zu erzielen. 

 

Immer wieder fehlten nur Zentimeter und so verstrich die Zeit und Finnland konnte sich nach 60. Minuten als glückliche Sieger feiern und die Mission Titelverteidigung am Sonntag im Finale gegen Kanada fortsetzen. 

 

 

 

Artikel: Hermann Graßl & Christian Diepold

 


 

 

 

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