Helmut de Raaf: "Den einzigen Output, den man als Akademie hat, ist Spieler für den Profibereich zu integrieren!".

 

(Interview) Helmut de Raaf ist in Österreich & Deutschland eines der bekanntesten Gesichter im Eishockey. Seit einigen Jahren ist der ehemalige Meistergoalie in der Red Bull Akademie in Salzburg / Liefering tätig und beschäftigt sich intensiv mit den Cracks der Zukunft. Eishockeyonline.at Redakteure Viktoria Hackl & Mathias Funk besuchten den 57- Jährigen vor kurzem und hatten ihn außerdem am Mikro.

 

Interview HdR

 

(Foto: Markus Knoblechner) Offenherzig beantwortete Helmut de Raaf die Fragen von eishockeyonline.at.

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Was sind deine Aufgaben in der Akademie?


H.d.R.: Mein Titel ist Director of Development, das sagt schon einiges aus. Ich bin für all das, das bei uns der Akademie mit Spielern und Sport zu tun hat, verantwortlich.

 

 

Bei der Auswahl der Spieler hast du somit wahrscheinlich auch das letzte Wort, oder?


H.d.R.: Ich scoute die Spieler zumindest in der Endphase und somit läuft das über meinen Tisch. Ich bin dabei, wenn die Spieler vor Ort sind, da wir sie gerne zu „tryouts“ einladen. Die Entscheidung liegt dann im Endeffekt bei mir, wobei ich mit den Trainern zusammenarbeite. Unser Ziel ist immer ein langfristiges Denken. Trainer denken in dem Sinne oftmals kurzfristig und deshalb muss ich manchmal die endgültige Entscheidung nehmen.

 


Warum tut sich die Liga so schwer, den Weg für junge oder gestandene österreichische Cracks zu erleichtern?


H.d.R.: Ich glaube dies hat wenig mit der Import-Regelung zu tun, sondern eher mit dem Stellenwert eines jungen Spielers. Ein junger Spieler ist oft „noch nicht so weit“. Man muss sie heranführen und dann schlussendlich dem Jungen das Vertrauen geben. Genau dies ist in der Liga oft nicht vorhanden. In anderen Sportarten, wie im Fußball, der in Österreich und Deutschland der große Bruder vom Eishockey ist, kommt es immer mehr, dass  17- oder 18-Jährige spielen. Dennoch ist es beim Eishockey noch nicht üblich. Da sind Spieler mit 23 Jahren noch jung, wo andere schon drei oder vier Jahre gespielt haben. Ich denke, dass die Import-Regelung junge Spieler weder fördert noch hemmt.

 

 

Vor kurzem gab es das Zitat „ich investiere lieber in zwei günstige Kanadier, als in einen jungen Österreicher“. Was ist deine Meinung dazu?


H.d.R.: Genau da sieht man, dass kein Vertrauen vorhanden ist. Viele sehen die Langfristigkeit nicht, die man hat, wenn man in einen Österreicher investiert. Man muss von diesem kurzfristigen Denken weg. Jedoch gibt es in Österreich noch ein anderes Problem: man hat mit knapp 2000 zu wenige Eishockeyspieler. Der Druck von unten, dass viele Spieler in die EBEL müssen, ist nicht da. Deshalb muss man die Einbindung von Jungen immer von zwei Seiten sehen. Einerseits ist es Aufgabe des Verbandes mehr junge Spieler zum Eishockey zu bringen und diese dann besser auszubilden, um den Druck nach oben erhöhen zu können. Das würde die Teams dann zum Umdenken bringen. Andererseits muss die Bereitschaft das Vertrauen in junge Sportler zu geben vorhanden sein.


Dennoch ist meine Meinung: solange dieses Denken vorhanden ist, egal was passiert, wird sich nichts ändern.

 

 

Die Grazer 99ers haben vor kurzem einen 19-jährigen Schweden verpflichtet für den Ausfall von Andre Lakos. Wieso kann man da in der österreichischen Jugend keinen Spieler finden?

 

Da müsste man dann Graz fragen, wieso sie das machen. Ich glaube aber, dass es im Moment auch sehr schwierig ist einen jungen Spieler zu finden in der Saison. Ein Team, das junge Spieler hat, gibt zurzeit keine ab. Um jemanden zu ersetzen muss man auf den internationalen Markt gehen. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt bestimmt verständlich, da der Markt der nationalen Spieler nicht vorhanden ist.


Die Frage wird aber sein: wieso hat man nicht schon den ein oder anderen in der Planung gehabt, auf den man jetzt zurückgreifen könnte? Dennoch ist das die Aufgabe und Entscheidung von Graz. Ich kann dazu nicht viel sagen.

 

 

Nun, in Villach versucht man es über den "Villacher-Weg" und hat sportlich aktuell wenig zu lachen. Was würden Sie dem EC VSV raten? Zwar möchte der Verein auf sein Vorhaben nicht verzichten, sportlicher Druck ist jedoch enorm zu spüren und auch die Sponsoren und Fans werden ungeduldig.


H.d.R.: Für andere zu sprechen ist immer schwierig. Für mich heißt es aber nicht, dass wenn man jünger wird, man automatisch schlechter wird. Das hat damit eigentlich gar nichts zu tun. Es liegt sicherlich an der Mischung. Ich muss wissen, dass ich immer ein Gegengewicht zu jungen Spielern benötige. Dieses muss in der Mentalität, der Position, der Kultur, der Ausstrahlung und dem Leadership vorhanden sein. Daher ist es immer schwierig ein Team zusammenzubauen. Letzte Saison war Villach deutlich älter, dennoch haben sie am Schluss den letzten oder vorletzten Platz belegt. Man muss also am Team feilen und ergründen, warum es nicht funktioniert. Ich denke jedoch, dass es nicht an den Jungen liegt und finde diesen Weg gut und sehe das als Zukunft derjenigen Klubs, die nicht so viele finanzielle Möglichkeiten haben.

 

 

Vor kurzem hat Mario Basler über Sportakademien gesagt, dass man junge Herren nicht in der Blüte seines Lebens einsperren und ihnen so viele Dinge ihrer Jugend verwehren kann. Was sagst du dazu?


H.d.R.: Da bin ich ganz seiner Meinung. Aber es heißt nicht, nur weil wir eine Akademie haben, dass wir die Jungs wegsperren. Es wirkt von außen oft so, als wären sie hier eingesperrt und dürften das Gelände nicht verlassen. Aber das ist nicht so und das wollen wir auch nicht. Einerseits wollen wir ihnen ihre Entwicklung nicht wegnehmen. Auch sie haben Freundinnen. Dazu braucht man nur zu den Spielen gehen und nachsehen, wer zuschaut. Oftmals haben wir nicht viele Zuschauer, wenn wir allerdings welche haben, sind die meisten weiblich. Das ergibt sich natürlich nicht durch Zufall, sondern das muss von wo kommen. Wir wollen auch nicht diese angepassten Spieler, diesen Prototypen, wo alle gleich sind. Wir wollen Typen haben, die selbständig und selbstbewusst auftreten. Dazu gehört natürlich auch ein Leben neben dem Eishockey.

 

 

Im Fußball sagte Paul Breitner im Sommer: Die neue Akademie des FC Bayern lohnt finanziell und sportlich nur, wenn jeden Sommer mindestens 2 Spieler den Sprung zu den Profis schaffen. Würden Sie das auch hier im Eishockey unterschreiben?


H.d.R.: Die Aufgabe einer Akademie sollte sein Spieler in den Profibereich zu bringen. Ich wehre mich immer gegen Zahlen. Es gibt Jahrgänge, in denen es sieben oder acht schaffen und dann gibt es welche, in denen es keiner schafft. Das hängt oft mit den Jahrgängen und der Entwicklung der Spieler zusammen und ist schwer vorherzusagen.


Der einzige Output, den man im Eishockeysport als Akademie hat, sind Spieler für den Profibereich zu integrieren.

 

 

Bei den U20 Worldcups waren einige Jungs aus der Akademie erfolgreich unterwegs. Die ÖEHV Cracks erreichten den Klassenerhalt, die Deutschen stiegen mit Dennis Lobach und Justin Schütz sogar auf. Die Ausbildung hier in der Akademie scheint langsam erste Früchte im Bereich der Nationalteams zu tragen. Auf was darf man sich denn in Zukunft noch freuen?


H.d.R.: Mein Ziel ist es, die Spieler zwischen 18 und 20 Jahren auf den Profibereich vorzubereiten. Wenn man das mit unserer Alps Hockey Mannschaft vergleicht, die jetzt mit einem Durchschnittsalter von 18,5 Jahren spielt, sieht man, dass die sich im Erwachsenenbereich mehr als gut integriert hat und auch präsentiert. Da erkennt man wo unser Potential steckt. Wir haben viele junge gute Spieler. Wir freuen uns jeden Tag auf ihre Weiterentwicklung. Ob es schlussendlich für alle an die Spitze reicht, weiß ich nicht, aber ich bin ganz guter Dinge, dass da in der nächsten Zeit sowohl einiges für Österreich als auch Deutschland kommt.

 


Du warst früher Torhüter in der DEL und warst unter anderem auch Meister. Hast du deshalb einen besonderen Blick auf die Goalies?


H.d.R.: Das nimmt man eigentlich an, aber ich muss sagen, dass es nicht so ist, da es schon ziemlich lange her ist. Ich schaue sie mir natürlich an, dennoch achte auch ich mehr auf die Spieler, da es immer 20 Spieler und „nur“ zwei Torhüter sind.

 

 

Du hast schon einige Trainerstationen hinter dir und bist nun seit 2016 in München & Salzburg für die Youngsters zuständig. Warum dieser Job? Reizt dich kein Cheftrainer-Amt in der EBEL oder DEL?


H.d.R.: Als ich vor knapp drei Jahren hier begonnen habe war es schon schwierig. Man schaut sich die Spiele an oder steht auf der Bank und würde gerne etwas ändern. Inzwischen habe ich mich aber so an meine Aufgabe gewöhnt, dass das Trainersein weit weg ist. Ich arbeite jeden Tag mit Trainern und freue mich über das, was sie leisten.


 

 

 

Interview: Viktoria Hackl & Mathias Funk
 

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