Nach 6 Jahren Linz - Mike Ouzas im "Short-Talk".

 

(Interview) Der Torhüter Michael Ouzas stand die letzten sechs Saisonen bei den Liwest Black Wings Linz unter Vertrag. Der kroatisch-kanadische Spieler wird im Sommer 34 Jahre alt, sieht aber noch keinen Grund, um seine Profikarriere zu beenden. In Zukunft wird er das Tor von Fehervar AV 19 hüten, wie er am Dienstag, den 7. Mai bekanntgab. Eishockeyonline.at unterhielt sich mit dem erfahrenen Goalie über seine Zeit in Linz und die Position eines Torwartes in einer Eishockeymannschaft.

 

 Ouzas

 

(Foto: Archiv)

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Wird man als Torhüter öfter für eine Niederlage verantwortlich gemacht?

 

Ouzas: Eishockey ist ein Teamsport. In einem einzigen Spiel passieren so viele Dinge. Wenn du als Goalie einen Fehler machst, ist der Puck im Netz. Somit denke ich, dass der Torwart eine wichtige Position hat. Wenn er gut spielt, kann er den Unterschied in einem Match machen, jedoch kann das natürlich umgekehrt im negativen Sinne auch der Fall sein. Ich würde nicht sagen, dass der Trainer einen für eine Niederlage verantwortlich macht. Doch man weiß es selbst, wenn es so ist.  

 


Ist deine Fanghand im Eishockey jene Hand, mit der du auch schreibst?

 

Ouzas: Nein, es ist umgekehrt: ich fange die Pucks mit meiner linken Hand und schreibe mit meiner rechten. Ob das bei den meisten Torhütern üblich ist, weiß ich nicht.

 

 

Ist der Trainingsaufwand als Goalie höher aufgrund der speziellen Torwarttrainings?

 

Ouzas: Nein, das ist nicht der Fall. Training ist so wichtig und jeder Spieler arbeitet auch selbst an sich jeden Tag. Während ich mein spezielles Torwarttraining habe, arbeiten andere nebenbei an anderen Dingen. Man muss sehr hart an sich arbeiten, um der Beste zu sein und Wege finden, um sein persönliches Maximum erreichen zu können. Dennoch denke ich, dass es einen Unterschied macht, dass der Goalie Trainer für nur drei Spieler verantwortlich ist, verglichen mit dem Coach der 25 Feldspieler. Es baut sich eine viel engere Beziehung auf und er ist nicht nur als Trainer für einen da, sondern auch als Ansprechperson. Jürgen Penker, der Torwarttrainer in Linz, hat härter gearbeitet, als ich es getan habe. Er bereitete immer alles vor und das einzige, was ich dann noch machen musste, war auf das Eis zu gehen und hart zu arbeiten. Danach war mein Training aus, seines sozusagen nicht, da er sich wieder neue Dinge überlegen musste für den nächsten Tag.

 

 

Bei Auseinandersetzungen zwischen den Spielern, verlässt ein Goalie meistens sehr schnell den Schauplatz. Was ist der Grund dafür?

 

Ouzas: Ich versuche fokussiert zu bleiben. Für mich ist es nicht wichtig zu kämpfen, sondern gut zu spielen. Somit versuche ich weg zu gehen, wenn die anderen in meiner Nähe zu streiten beginnen. Allerdings werden die Kämpfe von Jahr zu Jahr auch weniger.

 


Man spricht davon, dass das beste Alter für einen Eishockeytormann in etwa 25 bis 30 ist. Was ist deine Meinung dazu?

 

Ouzas: Ich hoffe nicht, dass das stimmt, da ich diesen Sommer 34 werde. Normalerweise entwickelt man sich in diesem Alter als Goalie noch sehr stark. Von mir persönlich kann ich sagen, dass ich jetzt ein besserer Tormann bin, als ich es in diesem Alter war, da ich nun das Spiel besser lesen kann und manche Dinge intelligenter löse, als ich es vielleicht damals getan habe. Ich denke, dass es etwas Natürliches ist, dass man durch die Erfahrung, die man sammelt, eine andere Sichtweise auf bestimmte Situationen entwickelt. Generell denke ich, dass 25 bis 30 ein gutes Alter für einen Goalie ist, jedoch gehe ich davon aus, dass man niemals ausgelernt hat.  

 

 

Diese Saison hast du nicht so viele Spiele gespielt, wie die vorherigen. Dein Ersatzmann David Kickert bekam viel Eiszeit. War das aufgrund des Trainerwechsels der Fall?

 

Ouzas: Kickert hat dieses Jahr sehr gut gespielt und er ist ein sehr guter Torwart. Er ist nun 25 und es ist Zeit, dass er beginnt mehr Spiele zu spielen. Er hat es verdient. Für mich war es natürlich eine Umstellung, aber ich denke es ist wichtig, zwei gute Goalies zu haben. Dann funktioniert Eishockey. Man braucht sich nur die Teams anzusehen, die im diesjährigen Finale standen.

 

 

Kann es sein, dass die enorme Veränderung im Kader Schuld an der nicht so gelungenen Saison der Liwest Black Wings Linz war?

 

Ouzas: Schwierig zu sagen, da so viele Faktoren eine Rolle spielten. Ich denke diese Saison war für uns Spieler genauso frustrierend, wie für alle anderen. Die Dinge sind nicht so gelaufen, wie wir uns sie erhofft hätten und wie sie in den vergangenen Jahren funktioniert haben. Allerdings sind die anderen Mannschaften auch eindeutig besser geworden. Ich kann mich gut daran erinnern, dass die unteren Teams nicht mit den Top Mannschaften mithalten konnten und das können sie jetzt. Auf der einen Seite hatten die großen Veränderungen einen Einfluss und haben sicherlich auch dazu beigetragen, dass die Saison nicht gut war. Andererseits hatten wir viele gute Spieler. Es lief für uns einfach insgesamt nicht gut.

 

 

Hast du dein persönliches sportliches Ziel bereits erreicht oder bist du noch am Weg dorthin?

 

Ouzas: Mein Ziel ist es immer besser zu werden und das Eishockeyspielen zu genießen. Wenn mir das keinen Spaß mehr macht, würde ich nicht wissen, ob ich weiterhin spielen möchte. Mir bereitet es nach zwölf Jahren als Profispieler noch immer Freude und ich hoffe, dass ich den Sport noch lange in dieser Intensität ausüben kann. Mein Ziel war es in Linz und ist es immer noch österreichischer Meister zu werden. Das sollte es von jedem einzigen Spieler sein.

 

 

Gibt es eine bestimmte Sache, die du aus deiner Zeit als Torwart für die Liwest Black Wings mitnimmst?

 

Ouzas: Ich habe einen Weg für mich gefunden das Spiel mehr genießen zu können. Das möchte ich für meine weitere Karriere aus Linz mitnehmen.

 


 

5 Kurzfragen an Mike Ouzas

 

Ist es schwierig für dich die Stadt, in der du sechs Jahre lange gewohnt und gelebt hast, zu verlassen? Definitiv, ja. Die Stadt war für mich mehr als nur mein Arbeitsplatz.

 


Wirst du deine Karriere als DJ trotz deiner bevorstehenden Veränderung in deinem Leben fortsetzen? Ja, natürlich. Nur habe ich leider so selten einen Sonntag frei und kann schlecht samstags auflegen und am nächsten Tag spielen.

 

Wie wird deine Sommerpause sportlich verlaufen? Mein Training ist sehr konstant. Nebenbei werde ich im Sommer noch Yoga und Pilates machen bevor ich Mitte Juni wieder auf das Eis zurückkehre.  

 

Denkst du an eine Rückkehr nach Linz? Da bin ich mir nicht sicher, aber ich wäre natürlich offen dafür.


Wo siehst du dich in 10 Jahren? Zehn Jahre? Ich versuche gerade die nächsten zehn Tage zu planen! Ich hoffe dann gesund und glücklich zu sein.

 

 

 

Interview: Viktoria Hackl

 

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