Dieter Kalt: „Spieler, die Tore schießen, sind nicht die wichtigsten!“.

 

(Interview) Der am 26. Juni 1974 in Klagenfurt geborene Dieter Kalt beendete seine Profi Eishockeykarriere 2012. Zuletzt stand er in Klagenfurt unter Vertrag, davor spielte er unter anderem in Deutschland, Schweden oder Kalifornien. Bis ins Frühjahr 2018 übte er die Funktion des Sportdirektors beim KAC aus, bevor er sich aus dem Sport ganz zurückzog. Mittlerweile hat er seine Leidenschaft in der Erstellung eines eigenen Podcasts verwirklicht. 

 

 

D Kalt

 

(Foto: Gepa)

EBEL Logo
 
TEILEN
fb banner300
twitter banner300
 

 

 

 

 
AKTUELLE TABELLE
EOL SHOP 300x300 2018neu
 
 
   

 

Wieso sind Sie und der KAC getrennte Wege gegangen?  

 

D.Kalt: Ich wurde entlassen. Ich war Sportdirektor und habe dort viele Dinge erreicht. Ein Meilenstein war, dass das Farm Team ins Leben gerufen wurde. Letztes Jahr wurde ich durch Johannes Reichel ersetzt. Seither habe ich mit dem KAC nichts mehr zu tun.

 

 
Die Kleine Zeitung berichtet, dass der KAC sich durch die Trennung mit Ihnen nicht nur vom Sportdirektor, sondern auch von einer Philosophie verabschiedet hätte. Wie würden Sie diese beschreiben?

 

D.Kalt: Meistens sucht ein Klub nach Angestellten mit gewissen Eigenschaften. Also sowohl bei den Spielern als auch im Trainerstab. Ich habe das in Klagenfurt forciert und es hat über Jahre gut funktioniert. Das würde ich als Philosophie bezeichnen. Dies hat allerdings nicht nur der KAC, sondern die meisten Teams.  

 

 
Wie sind Sie jetzt noch im Eishockey tätig?

 

D.Kalt: Im Eishockey bin ich zurzeit in der zweiten Reihe. Ich habe mit keinem Klub eine nähere Verbindung mehr. International pflege ich noch Kontakte und bin für Spieler ein Mentor. Da ich den Sport von beinahe allen Seiten kennenlernen dürfen, als Spieler, als Trainer und als Funktionär, kann ich mich meistens sehr gut in die Situation von jungen Sportlern hineinversetzen. Ich habe mir eine Auszeit von dem genommen, was ich 30 Jahre lange gemacht habe.

 

 

Wenn der Eishockeysport nicht mehr Ihre Leidenschaft ist, was ist es dann?

 

D.Kalt: Ich habe eine Broadcasting-Ausbildung gemacht und betreibe jetzt einen Podcast, der „74 wants more“ heißt. In dem geht es um Leidenschaft und darum die Dinge zu verfolgen, die man gerne macht. Ich unterhalte mich dazu mit Menschen, die eine spezielle Einstellung haben mit Problemen umzugehen. Das soll anderen helfen, schwierige Situationen besser bewältigen zu können. Natürlich waren viele meiner Interviewpartner bis jetzt aus dem mannschaftssportlichen Bereich. Allerdings ist das der Fall, da genau diese gewisse Eigenschaften mitbringen müssen, da sie sonst nie in einem Team erfolgreich gewesen wären.

 

 

Der Nachwuchs bekommt in Klagenfurt viel Chancen. Soll das eine Konkurrenz zur Red Bull Akademie werden in den nächsten Jahren?

 

D.Kalt: Mit einer Akademie hat es nichts zu tun – das ist beim KAC noch Zukunftsmusik. Wir haben im Vergleich zur Red Bull Akademie die Trainingsmöglichkeiten und die Unterkünfte nicht an einem Ort, sondern wollten in erster Linie die Eltern der jungen Sportler unterstützen. Ziel war ein besserer Übergang zwischen der Schule und dem Training.

 

 
Wie ist das Nachwuchszentrum aufgebaut?

 

D.Kalt: Man kann von einem Hort sprechen. Die Kinder können nach der Schule hinkommen, bekommen ein ordentliches Essen und machen Hausaufgaben bis ihr Training beginnt. Dadurch kann auch das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Teams gestärkt werden.

 

 

Inwiefern hat sich die EBEL in den letzten Jahren Ihrer Meinung nach verändert?

 

D.Kalt: In den letzten Jahren wurde es immer schwieriger für junge österreichische Spieler aus der U20 in der EBEL Fuß zu fassen. Sie kommen aus der Rolle „Reservespieler“ nicht mehr hinaus. Allerdings ist der Eishockeysport auch offener geworden. Österreichische Spieler sind angesehen und haben deshalb auch Chancen im Ausland spielen zu können.

 

 

Also ist das Niveau der EBEL in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen?

 

D.Kalt: Es hat sich die Art und Weise der Trainings verändert. Die meisten Spieler trainieren bereits das ganze Jahre und nicht nur während der Saison. Im Nachwuchs ist das allerdings nicht der Fall. Die Organisation zwischen der Freizeit, der Schule und dem Eishockey funktioniert meistens nicht so gut.

 

 
Viele versuchen mittlerweile im Ausland einen Teil ihrer Ausbildung zu absolvieren? Hilft das, um in der EBEL bessere Chancen zu haben?

 

D.Kalt: So, wie es jetzt in Österreich ist, funktioniert es nicht, wie man sieht. Die Profiliga hat sich weiterentwickelt, der Nachwuchs nicht so sehr. Ich habe mit dem KAC versucht etwas zu machen und etwas zu verändern, um Nachwuchssportlern den Sprung in die EBEL zu erleichtern.

 

 

Wieso gehen nicht mehr Österreicher ins Ausland, wenn sie dort mittlerweile als Sportler geschätzt werden?

 

D.Kalt: Meistens scheitert es nicht am sportlichen Können, sondern am sozialen Umfeld. Die meisten, die es nicht geschafft haben, sind nicht am Sport gescheitert, sondern am Umfeld. Wichtig ist, dass diejenigen, die ihren Weg im Profi-Eishockey gehen möchten, früh gegen Erwachsene spielen. Deshalb ist die Alps Hockey League sehr wichtig.

 

 

War das der Grund für den Ausstieg aus der U20?

 

D.Kalt: Ja, obwohl dieser nicht nur Vorteile mit sich bringt. Spieler, die älter als 18 sind und hobbymäßig Eishockey spielen möchten, haben jetzt keinen Platz mehr. Für ein Farm Team und eine U20 hatten wir nicht genug Spieler. Daraus hat sich eine Kooperation mit vielen anderen Teams entwickelt, wo der Fokus wirklich auf den Spielern liegt, dass sie Erfahrung sammeln können – bei welchem Team auch immer.

 

 

Wie schätzen Sie die EBEL generell ein im Vergleich zu anderen Ligen?

 

D.Kalt: Aufholbedarf besteht in der Übertragung der Spiele. Da hat sich die EBEL mit Sicherheit viel von anderen Ligen abgeschaut. Vor Jahren war die Qualität der Ausländer in der Liga deutlich höher, wodurch sich die Nationalmannschaft auch eine Zeit lang in der A Gruppe halten konnte. Allerdings waren damals mehr als die Hälfte der Spieler Austrokanadier. Jedes Jahr wird gesagt, dass die Liga besser wird, das sehe ich nicht so. Es geht eher in Wellen. International würde ich allerdings sagen, dass die EBEL mithalten kann. Aber sie ist bestimmt unter der Liga in Deutschland, der Schweiz oder Schweden.

 

 

Wie hat sich Ihrer Meinung nach der Eishockeysport in den letzten 30 Jahren verändert?  

 

D.Kalt: Der Sport hat sich total verändert. Es wird immer athletischer und schneller. Wie Spiele gewonnen werden hat sich allerdings nicht geändert. Durch neue Regeln wurde versucht gewisse Attacken aus dem Spiel zu nehmen. Dadurch haben Spieler, die technisch sehr gut sind, viel bessere Chance. In Zukunft wird das Spiel interaktiver werden mit den Zuschauern und die Spieler werden noch mehr unter die Lupe genommen werden mit den Dingen, die wirklich passieren. In der Öffentlichkeit stehen zurzeit in erster Linie diejenigen Spieler, die Tore schießen. Mit der neuen Datenerhebung wird sich das vielleicht verändern. Dadurch wird mehr erklärt werden können, warum kluge Trainer und Sportdirektoren Sportler für die Dinge verpflichten, die nur das geschulte Auge sieht. Meistens sind die Spieler, die das Tor schießen nicht die wichtigsten.

 

 

Wurden diese Veränderungen zum besseren Schutz vor Verletzungen der Spieler vorgenommen?

 

D.Kalt: Meiner Meinung nach wird an die Spieler als Letztes gedacht. Durch die immer besser werdenden Spieler, vor allem auch die Torhüter, wird es immer schwieriger Tore zu schießen. Da die Zuschauer jedoch Tore sehen wollen, müssen Veränderungen vorgenommen werden.

 



Persönliche Fragen:

 

Sie waren in vielen Städten tätig-Lieblingsstadt?
D.Kalt: Ich habe mich in der Phase meines Lebens, in der ich in einer anderen Stadt war, immer genau dort sehr wohl gefühlt.

 

Sind Sie mit Eishockeyschuhen auf die Welt gekommen?

D.Kalt: Ich habe als Kind viele Sportarten betrieben, unter anderem Fußball. Aber es war nie eine Frage, was ich am liebsten gemacht habe. Das war immer Eishockey, das musste mir niemand sagen.

 

Persönliches Ziel?
D.Kalt: Ich versuche mir eine neue Leidenschaft aufzubauen.

 


 

Das Interview wurde geführt von: Viktoria Hackl

 

Weitere News aus der Ersten Bank Eishockey Liga

PH VIENNACAPITALS q14iet
18. November 2019

EBEL - 5 Auswärtssiege am Sonntag in der EBEL!

(EBEL Kompakt) 5 Spiele, 5 Auswärtssiege! Am Sonntag feierten nur die Gastmannschaften in der Erste Bank Eishockey Liga. Während die Vienna Capitals… [weiterlesen]
PH KAC q14iz3
17. November 2019

EBEL - Meister KAC stolpert über Hinterbänkler Innsbruck.

(KACvsHCI) Der Meister rutscht gegen die Haie aus! Der Klagenfurter AC musste sich am Sonntag gegen den Vorletzten der Erste Bank Eishockey Liga… [weiterlesen]
PH GRAZ99ERS q14bhy
17. Nov 2019

EBEL - Dank starken JPL! Red Bulls holen Dreier in Liebenau!

(G99vsRBS) Die Graz 99ers empfingen am Sonntag Nachmittag den Tabellenführer aus Salzburg und wollten ihre Siegesserie der letzten Spiele… [weiterlesen]
Orli DEC Shakehands
15. Nov 2019

EBEL - Internationale Vergleiche gehen an Orli Znojmo und den HCB Südtirol.

(EBEL Kompakt) Die Internationalen Vergleiche am Freitag in der Erste Bank Eishockey Liga zwischen Orli Znojmo und Dornbirn sowie dem HC Bozen und… [weiterlesen]
PH HCINNSBRUCK q0c15l
15. Nov 2019

EBEL - Last Minute Sieg der Black Wings Linz in Tirol!

(HCIvsBWL) Die Innsbrucker Haie verloren am Abend in der 18 Runde der Ersten Bank Eishockey Liga gegen die Black Wings Linz mit 3:4. Die Innsbrucker… [weiterlesen]
PH KAC q1109o
15. Nov 2019

EBEL - Hundertpfund Hattrick! Rotjacken fegen über Capitals hinweg!

(KACvsVIC) Im Freitagsschlager der Erste Bank Eishockey Liga gewann Meister Klagenfurt gegen die Vienna Capitals mit 8:3. Ohne den aussortierten… [weiterlesen]
 

 

Superbanner unten

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen