SHN Moderator Martin Pfanner: Der Rekordmeister spielt seit 50 Jahren in ein und derselben Halle!

 

(Interview) 10 Jahre begleitete Martin Pfanner die Erste Bank Eishockey Liga in den Kommentatoren-Kabinen der Servus Hockey Night. Mit dem Abschied der Erste Bank als Ligasponsor sagte auch der TV Sender aus Wals Siezenheim "bye bye EBEL". Dabei auch Kommentator Martin Pfanner, welcher gegenüber eishockeyonline.at Redakteur Mathias Funk kein Blatt vor den Mund nahm und die aktuelle Situation erstaunlich ehrlich erzählte.

 

 

M Pfanner 1

 

(Foto: Angie von Thun)

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Ich hoffe, Dir geht es soweit gut. Für uns Journalisten/Redakteurer aber auch für dich als Kommentator im Sportbereich dürfte die aktuelle Zeit besonders schwierig sein. Wie verbringst du die Zeit?


M.Pfanner: Ich verbringe die Zeit daheim in Vorarlberg mit Familie, Freunden und allerlei anderen Dingen. Einerseits widme ich mich immer meinem „Pile of Shame“ (Konsolenspiele, die ich gekauft, aber nie gespielt habe), versuche meinen Rückstand bei diversen TV-Serien und Dokus abzuarbeiten und vor allem mich nicht zu verrückt zu machen, was die Zukunft anbelangt. Ich muss gestehen, dass ich mit dem Ende der Servus Hockey Night schon 1-2 Wochen in ein Loch gefallen bin. Als dann fast alle andere Projekte, die bei mir im Sommer angestanden wären, auf unbestimmte Zeit verschoben oder ganz abgesagt worden sind, ist mir schon auch kurz mulmig geworden, aber meine Frau hat da ganz gute mentale „Aufbauarbeit“ geleistet. Und ich habe mich seit der letzten Sendung der Servus Hockey Night nicht mehr rasiert. Frei nach dem Motto „wenn’s schon keine Playoffs mehr gibt, dann lass ich mir wenigstens - erstmals - einen (Playoff-)Bart wachsen.“ Mal sehen wann die Gesichtsbehaarung wieder abkommt …

 

 

Sportfans in Österreich kennen deine Stimme besonders aus der Servus Hockey Night. Auch in der NFL bist du sehr bewandert. Was macht diese beiden Sportarten für Dich so besonders?


M.Pfanner: Ich war als kleines Kind riesiger Fussball-Fan und habe jedes Wochenende mit meinem damals besten Freund die deutsche Bundesliga und dann auch alle großen Club-Bewerbe, Europameisterschaften und Weltmeisterschaften regelrecht inhaliert. Um die Jahrtausendwende herum war’s dann so, dass mich das ewige Simulieren, die Schwalben, das Zeit-Schinden, das unnötige Diskutieren nach Karten - ich mein, wann ist jemals eine gelbe oder rote Karte zurückgenommen worden? - so gestört hat, dass ich mich beim Fussball nicht mehr wirklich aufgehoben gefühlt habe. Just zu dieser Zeit habe ich American Football und die NHL entdeckt. Und auf einmal gab es zwei Sportarten in meinem Leben, wo nur diejenigen am Feld oder Eis liegen bleiben, die auch wirklich verletzt sind, wo eine Schwalbe eine grobe Verletzung des Ehrenkodexes darstellt und es generell einfach härter und gleichzeitig ehrlicher zur Sache geht.

 

 

Die EBEL befindet sich derzeit abgesehen von der Corona-Krise im Wandel. Neuer Name, neue Sponsoren, neue Teams und, einen neuen TV Partner. Wie siehst du die aktuelle Lage der Eishockeyliga?


M.Pfanner: Ich glaube, dass die Liga für die kommende Saison gut aufgestellt ist. In Zeiten wo jeder Sponsoring-Euro zweimal oder dreimal umgedreht wird einen Titelsponsor und auch noch einen TV-Partner zu finden ist eine respektable Leistung. Gleichzeitig gibt es für meine Begriffe immer noch große Herausforderungen, die über die Liga an sich hinausgehen - ganz unabhängig von allen Corona-Auswirkungen, die keiner von uns zum aktuellen Zeitpunkt realistisch abschätzen kann. Die drei größten Herausforderungen beginnen für mich damit, dass das Leistungsniveau nicht noch weiter auseinandergehen darf. In Salzburg, Klagenfurt oder Wien kann man im September im Normalfall die Viertelfinaltickets drucken. Und wenn alle heiligen Zeiten doch mal „ein Großer“ unten drinnen hängt, dann gibt’s über die Zwischenrunde immer noch die Möglichkeit der sportlichen Rehabilitation. Theoretisch kann es beim aktuellen Modus - in einer 12er-Liga - passieren, dass man die ersten 44 Spiele allesamt verliert. Wenn man dann aber die nächsten 22 gewinnt ist man mit gerade mal einem Drittel erfolgreich bestrittener Partien Meister. Die zweite Challenge wird es sein Schritt für Schritt die Infrastrukturen zu verbessern und zu modernisieren.

 

Der Rekordmeister spielt seit über 50 Jahren in ein und derselben Halle, im Eishockey-verrückten Villach gibt es keine zweite Eisfläche für Nachwuchs- oder Hobby-Mannschaften, in Dornbirn wurde statt einer laut Manager Kutzer von der Politik versprochenen, zweiten Eisfläche für den DEC im Messeareal eine Badminton-Halle gebaut. Mit Wien, Graz, in Teilen Linz und kleiner, anderer Sanierungen / Renovierungen gibt es immer wieder Vorzeigbares, aber in Summe ist das zu wenig, um den Eishockey-Standort und letztlich auch das Stadionerlebnis für die Fans in Österreich nachhaltig attraktiv zu gestalten. Und die dritte Komponente ist die leidvoll bemühte Leier vom Nachwuchs. Nicht nur, dass man sich noch intensiver die Frage stellt, wie man den Sport medial so attraktiv darstellen kann, dass jedes Kind gerne der nächste Marco Rossi oder die nächste Janine Weber werden möchte, sondern auch, dass langfristige Pläne nicht nur formuliert sondern auch exekutiert werden. Ich weiß, dass alle diese Punkte im Spannungsfeld Liga - Clubs - Verband - Politik - Sponsoren stattfinden und wahrscheinlich noch ein halbes Dutzend Stakeholder in einem oder mehrerer der genannten Bereiche mitdiskutieren. Und natürlich brauchen viele dieser Punkte auch sehr große Zeitfenster bis es zu einer Umsetzung kommt. Aktuell - aber auch die letzten Jahre - läuft alles ja irgendwie. Aber ganz am Ende fehlt mir die große Vision. Was wollen wir? Und wie kommen wir (gemeinsam) dorthin?

 

 

Die Servus Hockey Night hat das TV Niveau der Liga enorm bereichert. Müssen sich die Eishockeyfans in Österreich künftig auf ein niedrigeres einstellen?


M.Pfanner: Als der Servus Hockey Night mit Sky in der Saison 2016/17 ein Konkurrent entstand war ein Mantra, dass „die anderen ja auch nur mit Wasser kochen“. Letztlich ist es auch bei allem was vor der SHN in punkto Eishockey-Berichterstattung da war und was nach ihr sein wird so, dass „nur mit Wasser gekocht wird“. Die Personen, die Features, die Analysen, die Zahl der Kameras, all das mag sich ändern, der wahre Star des Ganzen ist und bleibt aber hoffentlich so wie eh und je: das Spiel, 3x 20 Minuten und dann hoffentlich eine spannende Overtime. Insofern glaube ich nicht, dass das Niveau niedriger sein wird, sondern einfach nur das Drumherum anders.

 

 

Du bist stets ein Typ, der voran geht. Sei es im Bereich der Moderation, Rassismus (Thema Graz & Jordan Subban) und sparst auch nicht an Kritik gegenüber der Eishockeyliga. Was fehlt der "EBEL" im Vergleich zur DEL oder NLA?


M.Pfanner: Ich kann den Liga-Verantwortlichen nicht sagen was ihnen zu vergleichbaren Ligen fehlt. Ich halte Vergleiche auch insofern für schwierig, weil Deutschland bzw. die DEL so viel größer und die Schweiz bzw. die National League so viel finanzkräftiger sind. Ein Aspekt, der mir als Zuschauer in den letzten Jahren aufgefallen ist und mich neidvoll in beide Länder blicken lässt: als Fan kann ich mir dort jede einzelne Partie live im TV (MySports oder Telekom Eishockey) ansehen. Das hätte ich auch sehr gerne hierzulande. Und ich weiß, dass es in punkto Leistbarkeit auch nicht völlig utopisch ist, weil ich mit ein paar Gleichgesinnten vor ein paar Monaten eine Kalkulation angestellt habe. Ich darf jedenfalls bei den Kollegen von MySports in der Schweiz Studio-Sendungen zur National League produzieren und formuliere es mal so: wer einmal mehrere Stunden vor einer LED-Wand saß auf der bis zu sechs Spiele gleichzeitig ablaufen, der will (als neutraler Fan) nie wieder nur ein Spiel sehen.

 

 

Die SHN fiel mit Abbruch der Saison 19/20 weg. Dein Abschied war voller Respekt und mit viel Emotionen. Wie geht es für Dich in Zukunft weiter?

 

M.Pfanner: Ich bin aktuell noch ein wenig am Sondieren. Ich hatte dieser Tage zwei Erfolgserlebnisse, weil sich durch zwei Buchungen mein corona-bedingt leeres Auftragsbuch für 2020 doch noch ein wenig gefüllt hat. Der Neuanfang, wenn man so will, wäre also vollzogen. Ich werde immer noch oft auf den Abschied angesprochen und langsam ist's auch wieder gut damit * lacht *. Ich habe über 10 Jahre ein Format begleiten dürfen, statistisch betrachtet ist das rund um ein Achtel meiner gesamten Lebenszeit. Wenn einem etwas so lieb Gewonnenes dann wegen Corona so abrupt genommen wird, dann kann’s schon auch mal emotional werden.

 

 

Martin, was wünscht du Dir für die künftige Saison?


M.Pfanner: Dass sie (regulär) stattfindet und dass es so vielen Fans wie möglich - unter Einhaltung aller Auflagen und natürlich dem Schutz der Gesundheit eines und einer jeden - vergönnt sein wird Hockey im Stadion zu verfolgen. Für mich ist Eishockey noch immer der großartigste Sport, den man sich am Ort des Geschehens zu Gemüte führen kann.

 


 

5 Kurzfragen:

 

NHL oder NFL? NFL von September bis Anfang Februar, die NHL - im Normalfall - ab spätestens Mitte April. 82 Regular Season-Partien sind mir ehrlich gesagt zu viel als dass ich mich so damit auseinandersetzen könnte, wie ich das gerne würde. Playoff-Hockey in der NHL ist dann aber wiederum eine ganz andere Nummer und da ich seit gut einer Dekade immer genau dann etwas mehr Luft hatte, wenn’s in der NHL ans Eingemachte ging, gab’s schon SEHR viele schlaflose Nächte.

 

Die schönste Eishalle steht in? Halle in der ich schon war: Globen - architektonisch ein Gesamtkunstwerk, akustisch unfassbar spannend und dann auch noch Schweden bei der Heim-WM 2013 den Titel gewinnen zu sehen - grandios   // Halle in der ich noch nicht war: Valascia - alle Valsacia-VeteranInnen mit denen ich bisher gesprochen habe, sagen: „Du musst dort ein Spiel sehen“. Ich würde dort ehrlich gesagt viel lieber ein Spiel kommentieren, denn zur rustikalen Kommentatoren-Position kommt man nur mit einer Leiter, zudem muss es dort im Winter so kalt sein, dass schon mal ein kleiner Ofen oder die Wärme-Einlagesohlen mitmüssen.

 

Motörhead bedeutet für dich? Eine Band, die sich 40 Jahre stilistisch kaum verändert und vor allem nicht verbiegen hat lassen. Gerade in Zeiten wo das Rückgrat von PolitkerInnen, Gesellschaftssternchen und vielen Anderen oft wie eine weichgekochte Nudel daherkommt ist es schön zu sehen, dass es Entitäten gab, die sich nicht um (kommerziellen) Erfolg oder "popularity contests" geschert haben. Mit der aktuellen Freizeit höre ich mich auch erstmals grad wirklich bewusst durch den „back catalogue“ und befinde immer wieder, dass diese Band SO gut war. Impact, Innovation und Legacy lassen sich in diesem Interview nicht mal ansatzweise darlegen, das machen wir dann separat * lacht *

 

Der nervigste Co-Kommentator war? Nervig war niemand. Maximal, dass „der vierfache österreichische Meister“ für leidgeplagte SHN-ZuschauerInnen-Ohren irgendwann zu oft kam. Wobei? Kann man wirklich oft genug betonen, dass Gert Prohaska vierfacher österreichischer Meister geworden ist? Ich glaube nicht. Darum zurück zur ursprünglichen Frage: Ich würde nervig durch „fordernd“ ersetzen. Und da war’s ganz klar Sascha Tomanek. Mit ihm an der Seite war’s einerseits immer launig, aber andererseits schon auch so, dass man auf der Hut sein musste. Sascha ist verbal mit allen Wassern gewaschen und war einer der wenigen, der wirklich kontern konnte. Nicht nur normale Gegenrede à la „das sehe ich ein klein wenig anders“, sondern direkt, ehrlich und perfekt artikuliert. Man könnte fast meinen, dass Sascha im normalen Leben damit sein Geld verdient.

 

Znojmo fehlt der Liga, weil…? Es ein über neun Jahre verlässlicher Verein war, der sportlich immer kompetitiv war und erst einmal ersetzt werden will. Zumal Znojmo selbst die Reißleine gezogen hat, bevor sie von jemand anderem gezogen werden musste. Ein Zagreb- oder Ljubljana-Debakel wird so schon im Ansatz verhindert. So unpopulär das klingen mag: diesbezüglich bereits im Mai Planungssicherheit zu haben ist auch in dieser Hinsicht ein wichtiger Dienst eines langjährigen Liga-Partners.

 

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